Sexualisierte Gewalt

Bundesweiter Rechtsanspruch auf Beratung für die Opfer

 

Opfer sollen ein Recht auf Beratung erhalten

Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche sind Schätzungen zufolge Opfer sexualisierter Gewalt geworden. „Das ist eine unvorstellbar große und schockierende Zahl”, sagt der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Klaus Möhle, „und hinter dieser Zahl stecken mehr als eine Million Schicksale und mehr als eine Million Opfer, die Hilfe brauchen.” Die SPD-Fraktion macht sich daher gemeinsam mit den Grünen für einen Rechtsanspruch auf Beratung für die Betroffenen stark.

 

Eine Veranstaltung der SPD-Fraktion im Mai führte es noch einmal deutlich vor Augen: Sexualisierte Gewalt ist kein Minderheitenphänomen. Prof. Dr. Barbara Kavemann, die seit vielen Jahren zu dem Thema forscht, machte mit einem Vergleich die Dimension deutlich. „Mehr als eine Million Opfer sexualisierter Gewalt”, erklärte sie, „bedeutet, dass die Verbreitung knapp über der von Volkskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt – und jeder von uns kennt hier einen Betroffenen.”

Auch den SPD-Sozialpolitiker Klaus Möhle, der die Veranstaltung moderiert hatte, hat dies noch einmal in seiner Haltung bestärkt. Dort waren auch Mitarbeiter der Beratungsstellen Schattenriss und des Bremer JungenBüro zu Gast und berichteten von ihrer Arbeit.  Sie berichteten aber auch, dass sie immer wieder an ihre Grenzen stoßen. „Der Abend hat mir eines noch einmal ganz deutlich gemacht: Die Beratungsstellen, die hier in Bremen aber auch bundesweit eine wichtige Arbeit machen, müssen angemessen ausgestattet sein, damit den Opfern dieser schlimmen Taten wirksam geholfen werden kann. Auch sie können die Taten nicht ungeschehen machen, aber sie können den Opfern dabei helfen, sie zu verarbeiten und zu bewältigen.”

Damit die Angebote so ausgestaltet werden können, dass es für die Betroffenen keine Hürden zu überwinden gibt und sie jederzeit erreichbar sind, müssten die Beratungsstellen finanziell besser ausgestattet werden, so Möhle. „Am wirksamsten ist hier ein Rechtsanspruch auf Beratung, damit wir bundesweit zu einer flächendeckenden Beratungsstruktur kommen”, sagt er.

Die SPD-Fraktion hat daher gemeinsam mit dem grünen Koalitionspartner einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, der den Senat dazu auffordert, sich über eine Bundesratsinitiative für einen solchen Rechtsanspruch im Sozialgesetzbuch einzusetzen. Bislang ist dies laut Gesetz eine freiwillige Leistung, Länder und Kommunen sind also nicht verpflichtet, sie anzubieten. Das soll sich nun ändern.

„Wir müssen auch über den Bremer Tellerrand hinaussehen”, sagt Möhle, „es gibt in Deutschland noch weiße Flecken, wo es kein spezielles Beratungsangebot gibt. Es darf aber nicht vom Wohnort abhängen, ob man als Betroffene eine solche, wichtige Beratung erhält oder nicht. Und es kann auch nicht sein, dass Beratungsstellen wie die in Bremen, die engagiert und kompetent ihrer Arbeit nachgehen, an ihrer Kapazitätsgrenzen kommen – auch weil es im Umland kein so umfassendes Angebot gibt. Deswegen müssen wir zu einem flächendeckenden Angebot kommen, damit den betroffenen überall adäquat geholfen werden kann.”