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16.12.2015  Antrag

Antrag Sadt: Bremisches Erinnerungskonzept Kolonialismus

Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und der SPD



Bremens kolonialistische Vergangenheit muss kritisch reflektiert werden. Am 2. Oktober vor 111 Jahren gab der deutsche Generalleutnant von Trotha am Rande der Omaheke-Wüste in Namibia (damals Deutsch-Südwestafrika) den Befehl, alle Herero zu töten. Experten gehen davon aus, dass rund 65.000 von 80.000 Menschen vom Volk der Herero und 10.000 von 20.000 Menschen vom Volk der Nama getötet wurden. Historiker sehen darin den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Die Vereinten Nationen haben das Ereignis inzwischen als Völkermord anerkannt. Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach in diesem Zusammenhang in diesem Jahr ebenfalls von einem Völkermord. Vor 100 Jahren, am 9. Juli 1915, endete die deutsche Herrschaft in Namibia.

Die deutsche Kolonie wurde durch den Bremer Kaufmann Alfred Lüderitz 1884 mit einem unlauteren Vertrag erworben und durch Reichskanzler Otto von Bismarck unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt. Nach dem Verlust der Kolonien gab es gerade in Bremen starke neokoloniale Kreise, die die Kolonien zurückforderten. Ausdruck dessen war die Einweihung des Reichskolonialdenkmals (heute Antikolonialdenkmal Elefant) im Jahre 1932. Während der Jahre des Nationalsozialismus trug  Bremen den Titel  „Stadt der Kolonien“.

Von dieser kolonialen Vergangenheit künden noch heute eine Reihe von Straßennamen mit kolonialem Hintergrund in Bremen, z. B. Lüderitzstraße, Vogelsangstraße oder Togostraße. Die Karl-Peters-Straße wurde inzwischen nach einem anderen Karl Peters benannt.

Die Stadtbürgerschaft möge beschließen:


Die Stadtbürgerschaft bittet den Senat:

1.    Gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung ein Erinnerungskonzept zum Kolonialismus und der bremischen Rolle darin zu entwickeln und in die Bremer Strategie zur Erinnerungskultur zu integrieren.

2.    Straßennamen mit kolonialem Hintergrund zu ermitteln und mit Legenden zu versehen.

3.    sich in Gesprächen mit dem Übersee-Museum für einen Ausstellungsschwer-punkt Kolonialismus unter besonderer Berücksichtigung  der Bremer Rolle dabei einzusetzen.

4.    sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass der Völkermord an den Völkern der Nama und Herero offiziell anerkannt wird.


Ralph Saxe, Dr. Henrike Müller, Jan Saffe, Dr. Maike Schaefer
und Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN

Elombo Bolayela, Antje Grotheer, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD