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11.10.2013  Pressemitteilung

Bildungsvergleich: Studien-Ergebnis ist eine deutliche Handlungsaufforderung


Zum heute veröffentlichten IQB-Ländervergleich 2012 „Mathematische und
naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der Sekundarstufe I“ erklärt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Mustafa Güngör: „Die Ergebnisse der Studie sind für uns enttäuschend– da gibt es kein Vertun. Bremen hat im Vergleich mit den anderen Ländern weiterhin einen erheblichen Nachholbedarf.“

Die SPD-Fraktion erwartet nun vom Senat, dass das Ergebnis der Studie ernst genommen und Punkt für Punkt aufgearbeitet wird.
Da das neue Oberschulkonzept zum Zeitpunkt des Ländervergleichs noch nicht gegriffen hat, lasse sich der Erfolg der Schulreform und der in diesem Rahmen bereits erfolgten qualitativen Umgestaltung des Unterrichts an den aktuellen Ergebnissen zwar noch nicht ablesen.
„Deutlich geworden ist aber beispielsweise, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund eine noch bessere Unterstützung benötigen“, sagt Güngör. So sind beispielsweise Schülerinnen und Schüler mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen im Vergleich zu Schülerinnen und Schülern ohne Zuwanderungshintergrund besonders benachteiligt. „Wir sprechen hier deutschlandweit von einem Leistungsunterschied von fast drei Schuljahren, der schlicht nicht hinnehmbar ist. Und selbst bei Kindern mit nur einem Elternteil mit ausländischen Wurzeln ist die Kompetenzbenachteiligung groß“, sagt Güngör und verlangt weitere Anstrengungen. „Bei jüngeren Schülern haben wir den Bereich Sprachförderung bereits ausgebaut – angesichts der aktuellen Ergebnisse für die älteren, muss nun geprüft werden, diese Angebote auch auf die höheren Jahrgangsstufen auszudehnen.“

Der Bildungspolitiker macht zudem auf einen weiteren Punkt aufmerksam: „In dem aktuellen Ländervergleich finden sich auch Aussagen über die Ausgestaltung des Unterrichts. Güngör: „Es kann nicht sein, dass in Bremen gut 36 Prozent der Lehrer und Lehrerinnen fachfremd Mathematik unterrichten. Stattdessen muss in den Schulen künftig noch deutlicher darauf geachtet werden, dass Lehrer und Lehrerinnen auch tatsächlich in den Fächern unterrichten, die sie studiert haben.“

Belegt worden ist durch die IQB-Studie zudem ein weiteres Mal, dass Bremen im Verhältnis zu den übrigen Bundesländern schwierigere Voraussetzungen hat: „Erwerbslosigkeit, schlechter Bildungsstand der Eltern und Armut sind ganz maßgeblich für den Bildungserfolg verantwortlich – und diese Risikofaktoren sind in Bremen ungleich häufiger anzutreffen als in anderen Bundesländern“, sagt Güngör. Dies dürfe aber keineswegs eine Entschuldigung sein. „Stattdessen müssen wir die aktuellen Ergebnisse als klare Handlungsaufforderung verstehen. Dabei geht es nicht um blinden Aktionismus, sondern vor allem darum, den Ganztagsschulausbau konsequent fortzusetzen und die Lernzeit der Schülerinnen und Schüler zu erhöhen“.

Zusammenfassend steht für Güngör fest: „Gerade angesichts der schwierigeren soziostrukturellen Situation Bremens benötigen wir mit Blick auf die übrigen Bundesländer nicht nur vergleichbare Ressourcen, sondern mehr – und dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um die Qualität des Unterrichts.“

Ein erster Schritt auf diesem Weg müsse nun sein, die genauen Daten der insgesamt 62 getesteten Bremer Schulen zu analysieren: „Wir müssen endlich zu einer schulscharfen Betrachtung kommen, um wirklich feststellen zu können, an welchen Standorten besondere Probleme zu bewältigen sind.“