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29.05.2013  Antrag

Fraktionsbeschluss: Bildungschancen gezielt für sozial benachteiligte Kinder verbessern


Bildungschancen gezielt für sozial benachteiligte Kinder verbessern

Es ist zentrale Aufgabe der Bildungspolitik, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gleichermaßen am Bildungssystem partizipieren und ein hohes Kompetenzniveau erreichen können. Mit der aktuellen Reformierung des Schulsystems ist Bremen bereits auf einem guten Weg, um über ein längeres gemeinsames Lernen und die individuelle Förderung in heterogenen Lerngruppen das allgemeine Leistungsniveau Bremer Schülerinnen und Schüler zu verbessern und den Schulerfolg weniger abhängig von der sozialen Herkunft zu machen.


Über eine gute Unterrichtsversorgung hinaus brauchen gerade Kinder aus sozial benachteiligten oder bildungsfernen Elternhäusern weitere individuelle Unterstützungs- und Förderangebote außerhalb des Elternhauses. Gerade diese Schülergruppe in Bremen schneidet in den bundeweiten Vergleichstests besonders negativ ab.Gerade diese Schülergruppe hat im Lande Bremen einen besonders hohen Anteil. Diese Schüler erhalten von Zuhause häufig weniger Anregung und unterrichtsunterstützende Begleitung als Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern. Raum und Zeit für entsprechende Angebote gewährleisten insbesondere Ganztagsangebote.

Zu guter Schule gehört auch eine gute Schulsozialarbeit. Sie kann  durch die Förderung der individuellen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen an der Schule gezielt Benachteiligungen abbauen. Sie hilft leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler ihre Stärken zu entfalten und Lebensperspektiven zu entwickeln und wirkt so Ausgrenzung und dem Risiko des Scheiterns entgegen.

Das Bundesland Bremen hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, den Ausbau von Ganztagsschulen voranzutreiben. Heute gibt es in nahezu allen Stadtteilen mindestens eine Ganztagsschule im Primarbereich und eine in der Sekundarstufe I. Zusätzlich wurden zum aktuell laufenden Schuljahr 939 Plätze in zehn neu eingerichteten offenen Ganztagsschulen geschaffen, um die Bildungschancen sozial benachteiligter Kinder zu erhöhen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Die Nachfrage übersteigt bereits jetzt bei weitem das vorhandene Angebot und wird mit dem Ausbau von U 3 langfristig aller Voraussicht weiter zunehmen.Die Qualität der Ganztagsangebote vor Ort muss weiterentwickelt werden, geichzeitig  können nicht überall genug Plätze angeboten werden.Ein weiterer Ausbau der Ganztagsschulen ist daher dringend erforderlich, sowohl hinsichtlich der Platzzahl als auch hinsichtlich der Qualität!

Angesichts knapper öffentlicher Ressourcen müssen sich politische Maßnahmen und Initiativen insbesondere an dem Ziel orientieren, die Lebens- chancen sozial benachteiligter Kinder zu verbessern. Dabei muss auch weiterhin die offene Ganztagsschule in Betracht gezogen werden. Sie ist in den anderen Bundesländern ein gängiges und akzeptiertes Modell der Ganztagsschule. Zwar bietet dieses Konzept zugegebenermaßen weniger Möglichkeiten des rythmisierten Unterrichts als die im Idealfall durch ein integriertes Lern- und Betreuungssystem charakterisierte gebundene Ganztagsschule. Aber nur so kann die Freie Hansestadt Bremen mittelfristig auch nur ansatzweise dem zu erwartenden Bedarf insbesondere bei sozial benachteiligten Kindern gerecht werden.

Die Bundesregierung verweigert die Weiterfinanzierung der Schulsozialarbeit. In vielen Ländert droht bald das einzig wirklich erfolgreiche Element des Bildungs- und Teilhabepakets beendet zu werden. Der Senat hat entsprechende Bundesratsinitiativen unterstützt, die versucht haben, zu verhindern, dass die Bundesregierung sich dieser Verantwortung entzieht.   Obwohl das Land selbst vor immensen bildungspolitischen Herausforderungen steht, muss die Chance auf Weiterfinanzierung zumindest der allernötigsten Angebote der Schulsozialarbeit überprüft werden.

Die Bürgerschaft (Landtag) möge beschließen:

Die Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf,

1.    ein Konzept zu erstellen, in dem dargelegt wird,

a. ob und wie vor dem Hintergrund der Eckwertbeschlüsse mittel- und langfristig ein quantitativer und qualitativer Ausbau der Ganztagsschulen mit einem sozialraumorientierten Fokus fortgesetzt werden kann

b. wie angesichts der Kritik des Rechnungshofs eine transparente und gerechtere personelle Ausstattung von Ganztagsschulen erreicht werden kann

2. zu prüfen, ob und wie die Schulsozialarbeit insbesondere an Schulstandorten in sozial benachteiligten Stadtteilen abgesichert werden kann.


Mustafa Güngör, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD