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13.06.2017  Anfrage

Große Anfrage Stadt: Perspektiven junger Männer mit Migrationshintergrund in Bremen und Bremerhaven

Große Anfrage der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Junge Männer mit Migrationshintergrund sehen sich in hohem Maße mit Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert – so das Ergebnis einer Studie, die vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium in Auftrag gegeben wurde. Auch eine von der EU-Kommission und dem Europäischen Integrationsfond (EIF) geförderte und in sieben europäischen Ländern durchgeführte Studie (2016) kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Hiernach machen junge Männer mit Migrationshintergrund u.a. häufig Erfahrung mit struktureller Benachteiligung im (Aus-) Bildungs- und Arbeitsbereich, mit individueller Diskriminierung durch Lehrpersonal, mit struktureller Aus¬grenzung im Freizeitbereich und bei Sportangeboten, mit rassistischen Anfeindungen im Stadtteil oder im „Nachtleben“ und mit Diskriminierung durch staatliche Behörden.

Im Alltag werden diese jungen Männer aufgrund ihres Geschlechts, ihrer (vermeintlichen) ethnischen Zugehörigkeit oder allein aufgrund ihrer Jugend mit diversen Zuschreibungen und Stereotypen konfrontiert („Unruhestifter“, potentiell gefährlich, kriminell). Dabei sind sie doppelt betroffen: Zum einen sind sie potentielle Opfer von Gewalt, die von anderen jungen Männern ausgeübt wird, zum anderen werden sie als potentielle Aggressoren stigmatisiert.

Junge Männer mit Migrationshintergrund mit entsprechenden Unterstützungsangeboten und spezifischen Maßnahmen zu unterstützen, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und erfordert neue Handlungsperspektiven. Dabei spielen die Bereiche Ausbildung, Arbeit und soziales Umfeld eine zentrale Rolle. Die Teilnahme an Freizeitaktivita?ten, wie Kultur und Sport, das Verfolgen persönlicher Interessen und der Austausch mit Gleichgesinnten sind bedeutsam für die Entwicklung junger Menschen und ihrer allgemeinen Lebenszufriedenheit. Teilhabe an Sportaktivitäten ist hierbei zentral, um Zugehörigkeit- und Gemeinschaftsgefühle zu stärken.


Wir fragen den Senat:

1. Über welche Möglichkeiten zur Erfassung von Diskriminierungserfahrungen junger Männer (mit Migrationshintergrund) verfügt der Senat und in welchen Zeiträumen werden diese Daten erfasst?

2. Welche Kenntnisse hat der Senat über Diskriminierungserfahrungen junger Männer mit Migrationshintergrund in Bremen und Bremerhaven (z. B. auf dem Wohnungsmarkt, bei der Bewerberauswahl auf dem Arbeitsmarkt, im Freizeitbereich) gewonnen?

3. Welche spezifischen Antidiskriminierungsmaßnahmen in Bremen und Bremer¬haven haben junge Männer – insbesondere junge Männer mit Migrationshintergrund – als Zielgruppe?

4. Welche kostenfreien und niedrigschwelligen Beratungsangebote für von Diskriminierung betroffene junge Männer gibt es in Bremen und Bremerhaven und in welcher Form werden diese der Zielgruppe bekannt gemacht?

5. Welche Jugendbegegnungsstätten bzw. gewalt- und diskriminierungsfreie Räume stehen jungen Männern mit Migrationshintergrund für Begegnung und informellen Austausch in Bremen und Bremerhaven zu Verfügung? Was sind ihre inhaltlichen Schwerpunkte und wie sind ihre Öffnungszeiten?

6. Welche Vereine oder andere Anbieter von Jugend- und Sportangeboten verfügen über ein spezifisches Angebot für junge Männer mit Migrationshintergrund?

7. Welche kostenfreien Angebote im Bereich kultureller und sportlicher Freizeitangebote gibt es für junge Männer mit Migrationshintergrund in Bremen und Bremerhaven?

8. Werden Vereine und Jugendträger hinsichtlich ihrer interkulturellen Kompetenz und ihrer Sensibilisierung im Bereich der direkten und indirekten Diskriminierung evaluiert und in welcher Form findet das statt? Gibt es Bestrebungen seitens des Senats, eine solche Evaluierung einzuführen, sofern das bisher nicht ausreichend erfolgt ist?

9. Gibt es Vernetzungsstrukturen zwischen religiösen Vereinen und Jugendorganisationen bzw. -einrichtungen?


Valentina Tuchel, Sybille Böschen, Klaus Möhle, Elombo Bolayela, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD

Dr. Henrike Müller, Sahhanim Görgü-Philipp, Dr. Maike Schaefer und Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN