Verkehr

 

Unser Vorschlag: Das 365-Euro-Ticket


Was kommt nach dem 9-Euro-Ticket?

Die Menschen entlasten: SPD-Bürgerschaftsfraktion Bremen schlägt einjähriges Preismoratorium im ÖPNV mit einheitlichem 365-Euro-Ticketangebot vor

In Anbetracht der Auswirkungen durch die Corona-Pandemie sowie der gestiegenen Energie- und Lebenshaltungskosten durch den Krieg in der Ukraine stehen die finanzielle Entlastung der Menschen einerseits sowie die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) deutschlandweit ganz oben auf der Tagesordnung. Die Bundesregierung hat daher für die Monate Juni bis August 2022 ein so genanntes 9-Euro-Ticket eingeführt, das bundesweit auf allen Strecken und in allen Verkehrsmitteln des ÖPNV für beliebig viele Fahrten genutzt werden kann. Dies gilt unabhängig davon, welches Verkehrsunternehmen, welcher Verkehrsverbund oder Landestarif auf dem Ticket selbst vermerkt ist.

Befürchtungen im Vorfeld, ein solches Ticket würde nicht angenommen, sind sehr schnell widerlegt worden: So hatte zum Beispiel die Bremer BSAG schon am 2. Juni bereits 100.000 Tickets dieser Tickets verkauft. Das ist hocherfreulich. Überfüllte Busse und Bahnen haben allerdings auch deutlich gemacht, wie begrenzt die Kapazitäten im ÖPNV in Deutschland sind.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie es mit Ablauf des 9-Euro-Angebots im September diesen Jahres weitergehen soll. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion des Landes Bremen hielte es, gerade angesichts der anhaltenden Krisen, für problematisch, wenn die Ticketpreise nach dieser Zeit einfach wieder auf das jeweilige Vorniveau angehoben werden – oder gar stark steigen, wie dies manche VerkehrsexpertInnen prognostizieren. Dies gilt umso mehr, als dass nach den Sommermonaten die Ticketpreise im Berufsverkehr im alltäglichen Fokus der Menschen stehen.

Aufgrund des enormen Finanzierungsbedarfs für günstige Tickets und Ausbaukapazitäten sowie der Komplexität von Konstruktion und Finanzierung verschiedenster Verkehrsverbünde gilt es, einen Weg aufzuzeigen, der diese Rahmenbedingungen berücksichtigt und die Gelegenheit nutzt, dem ÖPNV eine neue Bedeutung zu geben. Wir schlagen vor:

  • Ab September diesen Jahres wird ein Preismoratorium für den ÖPNV in Deutschland vereinbart, gültig für ein Jahr. In diesem Jahr beraten Bund, Länder und Kommunen bzw. Verkehrsverbünde über eine nachhaltige und gerechte Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket.
  • In dieser Zeit wird als Übergangslösung ein bundesweit im Preis einheitliches 365-Euro-Jahresticket für die Verkehrsverbünde im ÖPNV angeboten, das – analog zum derzeitigen 9-Euro-Ticket – auf allen Strecken und in allen Verkehrsmitteln des ÖPNV genutzt werden kann.
  • Die Finanzierung dieses Tickets sehen wir – wie ja auch das 9-Euro-Ticket – hauptsächlich beim Bund, wobei über Einzelregelungen zu reden ist. Wir präferieren bewusst ein Jahresticket und nicht weitere Monatstickets, um für die öffentliche Hand möglichst hohe Planungssicherheit zu gewährleisten.
  • Kinder unter 14 Jahren fahren gratis.
  • Gleichzeitig wird in diesem Moratoriumsjahr von den Beteiligten eine Art „Deutschlandplan“ zum Ausbau des ÖPNV vereinbart. Dass dabei der Bund einen Paradigmenwechsel vollziehen und entscheidend in die Finanzierung einsteigen muss, ist – nicht nur für uns – unstrittig.

Für die SPD-Bürgerschaftsfraktion Bremen ist klar: Das von der Bundesregierung beschlossene 9-Euro-Ticket hat ein „Window of Opportunity“ geöffnet, das es nun mutig zu nutzen gilt. Ein günstiger und leistungsstarker Nahverkehr ist das Gebot der Stunde.

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