Gesundheit

 

Ärztliche Versorgung in benachteiligten Quartieren


Armut macht krank und Krankheit macht arm – diesen Fakt bestreitet heute niemand mehr. Gerade in Quartieren, in denen Menschen mit einem höheren Gesundheitsrisiko leben, muss also die medizinische Versorgung sichergestellt werden. In der Realität ist allerdings das Gegenteil der Fall: Dort wo sie eigentlich am nötigsten gebraucht werden, nämlich in den Quartieren, in denen die Menschen eben nicht auf Rosen gebettet sind, lassen sich Ärzte weitaus seltener finden als in besser situierten Stadtteilen.

„Wir reden hier nicht von Fachärzten. Zu ihren Praxen mag ein längerer Anfahrtsweg zumutbar sein. Wir reden hier von Haus- und insbesondere Kinderärzten, die in manchen Quartieren schlicht nicht vorhanden oder völlig überlaufen sind“, umreißt die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Steffi Dehne, das Problem.

Die Ursache dafür sei eindeutig: „Die Kassenärztliche Vereinigung betont zwar, es gebe auf die Fläche berechnet genug Ärzte im Bundesland – allerdings gibt es nur zwei Planungsbezirke, nämlich Bremen und Bremerhaven für die Artpraxen mit einer Kassenzulassung. Arztinnen und Ärzte können sich dadurch sozusagen aussuchen, wo sie sich niederlassen – und für viele ist es schlicht wirtschaftlich attraktiver, dort zu praktizieren, wo mit solventeren Patienten mit weniger sozialen Problemen zu rechnen ist“, so Dehne. Bereits vor einem Jahr hat die Bürgerschaft daher auf Initiative der SPD-Fraktion den Senat aufgefordert, mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Kostenträgern im Land Bremen über eine andere Verteilung der Versorgungsstrukturen nachzudenken – bis heute allerdings bleibt die KV dabei, dass es – aufs Ganze gerechnet – genug Ärztinnen und Ärzte in Bremen und Bremerhaven gebe.

„Die Realität ist insbesondere in Bremen-Nord, im Bremer Westen und auch in Osterholz-Tenever eine andere: Die letzten verbliebenen Hausarztpraxen sind überlaufen und ihr Fortbestand ist, wenn deren Inhaberinnen oder Inhaber in Ruhestand gehen, nicht gesichert. Kinderärzte sind sogar so gut wie gar nicht zu finden. Das ist nicht hinnehmbar“, sagt Dehne und betont: „Es muss sichergestellt werden, dass Mütter oder Väter mit einem fiebernden Kind auf dem Arm nicht durch die halbe Stadt fahren müssen, um einen Kinderarzt zu finden. Und es muss sichergestellt werden, dass insbesondere ältere oder gebrechliche Menschen nicht kilometerweit fahren müssen, um den nächsten Hausarzt zu erreichen.“

Dehnes Forderung ist daher: „Die Kassenärztliche Vereinigung muss sich endlich ihrer Verantwortung stellen, für eine kleinteiligere Verteilung der ärztlichen Angebote sorgen und dabei insbesondere die sogenannten benachteiligten Quartiere in den Blick nehmen. Es ist gut, dass die KV mittlerweile öffentlich zumindest einen weiteren Kinderarzt-Platz für Bremen-Nord in Aussicht gestellt hat, aber das Engagement muss darüber hinausgehen!“

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