Gesundheit

 

Nicht die Patienten müssen sich ändern, sondern das System!


Zum Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Patienten, die die Notaufnahme aufsuchen künftig zur Kasse zu bitten, erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Steffi Dehne: „Ich finde es erstaunlich, dass die KV Menschen mit gesundheitlichen Problemen unterstellt, als ‚Komfortpatienten mit medizinischen Lappalien‘ die Notaufnahme lahm zu legen. Für mich steht fest: Die allermeisten derjenigen, die eine Notaufnahme aufsuchen, machen sich schlicht Sorgen um ihre Gesundheit – auch wenn sich vielleicht am Ende herausstellt, dass sie nichts Ernstes haben.“

Der Impuls der KV, diese Menschen mit Geldzahlungen zu bestrafen und so zu disziplinieren, lasse tief blicken, so die Sozialdemokratin: „Wenn der Vorsitzende der Bremer KV, Jörg Hermann, wirklich denkt, Menschen säßen gern viele Stunden in der Notaufnahme, weil sie das als ‚Komfort‘ empfinden, dann empfehle ich ihm, dort selbst einmal einen Abend zu verbringen.“

Dehne weiter: „Fakt ist, dass gerade die weniger ernsten Fälle außerhalb der Öffnungszeiten der Arztpraxen beim ärztlichen Bereitschaftsdienst besser aufgehoben wären – so weit sind wir einer Meinung. Offenbar scheint dieses System von den Menschen allerdings nicht ausreichend angenommen zu werden – wozu in manchen Stadtteilen schlicht auch ein Mangel an Haus- und Kinderärzten beiträgt.“

Für sie steht fest: „Dass ein Vertreter der KV nun Menschen, die sich Sorgen um ihre Gesundheit machen, als ‚Komfortpatienten‘ betitelt, macht mich fassungslos. Unser Weg ist ein anderer: Während die KV offenbar mittels Gebühren die Patienten ändern will, setzten wir darauf, ein System zu ändern, das offensichtlich nicht richtig funktioniert.“

Steffi Dehne abschließend: „Uns wäre daran gelegen, dass die KV, statt sich Strafen für Kassenpatienten auszudenken, einen konstruktiven Beitrag leistet. Das wünschen wir uns übrigens auch bei der Verteilung von Haus- und Kinderarztpraxen über die Stadt. Die finden sich nach wie vor in problembelasteteren Stadtteilen weitaus seltener als in bessergestellten. Auch hier könnten echte, von der KV mitgetragene Änderungen, einen großen Beitrag zu einer wirklichen Verbesserung der medizinischen Versorgung leisten. Strafgebühren für Menschen, die nicht sicher sind, ob sie vielleicht eine ernsthafte Krankheit haben, sind jedenfalls kein Weg in diese Richtung.“