Gesundheitsschutz

 

Mehr Gesundheitsschutz und Prävention durch Drugchecking?


Drogenkonsum ist mit hohen gesundheitlichen Risiken verbunden. Nach den im Mai von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung bekannt gegebenen Zahlen verstarben im Jahr 2017 deutschlandweit 1.272 Menschen an illegalen Drogen, davon 19 im Land Bremen. Hinzu kommt eine weit größere Zahl an drogeninduzierten Gesundheitsschäden, die nicht tödlich enden. Neben den schädlichen Auswirkungen der Substanz selbst stellen giftige Beimengungen und synthetische Partydrogen sowie unerwartete Schwankungen in der Dosierung eine erhebliche Gefahr für die Konsumierenden dar. Eine mögliche Maßnahme der Schadensminderung bei den vorhandenen Gesundheitsrisiken stellt die chemische und physikalische Substanzanalyse dar – das sogenannte Drugchecking. Neben der Warnung vor giftigen Beimengungen ermöglicht die genaue Kenntnis der Dosierung und Wirkstoffzusammensetzung den Konsumentinnen und Konsumenten eine subjektive Risikoabschätzung. Drugchecking kann daher einen verminderten Gebrauch oder gar den Verzicht auf den Gebrauch psychoaktiver Substanzen unterstützen. Zusätzlich kann die Substanzanalyse auch der Frühwarnung über die Angebotsentwicklung auf dem Schwarzmarkt dienen.

Zur Reduktion der Gesundheitsrisiken bieten immer mehr europäische Städte Projekte an, die es den Drogenkonsumierenden ermöglichen, die auf dem Schwarzmarkt erworbenen Drogen auf ihren Substanzgehalt analysieren zu lassen. Drugchecking-Projekte existieren unter anderem in Wien (www.checkyourdrugs.at), in Zürich (www.saferparty.ch), in Bern (www.raveitsafe.ch), in über 30 niederländischen Städten (www.drugs-test.nl) sowie unter anderem in Spanien, Frankreich und Belgien.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass mit solchen Projekten einem leichtfertigen Umgang mit „Partydrogen“ erfolgreich entgegengewirkt werden kann. Niedrigschwellige Angebote können mit Aufklärung und Prävention verbunden werden. Die Reichweite des Drogenhilfesystems wird erweitert. Zudem lassen sich fundierte Erkenntnisse über im Umlauf befindliche Drogen und Konsummuster gewinnen, die die Präventionsarbeit verbessern können. Auf die Wirksamkeit von Drugchecking als Instrument der Gesundheitsförderung verweisen auch wissenschaftliche Studien. Eine vom Kriminologischen Institut der Universität Amsterdam begleitete Studie kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass Testangebote den Drogenkonsum verzögern und gerade bei Unentschlossenen verhindern. Zu einer Steigerung des Drogenkonsums führe Drugtesting nicht.

Die verschiedenen möglichen Modelle zur Durchführung von Drugchecking werfen dabei jeweils unterschiedliche Fragen nach der Vereinbarkeit mit dem Betäubungsmittelgesetz auf. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages legt in einem Gutachten von 2009 dar, dass eine bundesrechtliche Klärung der Bedingungen wünschenswert wäre, Drugchecking aber auch nach geltender Rechtslage möglich ist. Sofern keine ausdrückliche Erlaubnis durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erteilt wird, verbliebe eine gewisse Rechtsunsicherheit darüber, ob sich die am Drugchecking beteiligten Personen wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln strafbar machen könnten. Das Amtsgericht Tiergarten und das Landgericht Berlin haben dies verneint, weil es den beteiligten Personen am Besitzwillen fehle, wenn sie die Drogen dem illegalen Markt entziehen und sie durch die Analyse ihrer chemischen bzw. physikalischen Vernichtung zuführen. Für eine rechtssichere Handhabung bedürfte es einer verbindlichen Zusage der Staatsanwaltschaft Bremen, sich dieser Rechtsprechung anzuschließen. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen Senat und Staatsanwaltschaft gab es zuletzt 1997, um Bremer Heroinkonsumierenden die Untersuchung ihres Stoffes zu ermöglichen, nachdem an einem einzigen Wochenende fünf Bremer Junkies an einer versehentlichen Überdosis von reinem Heroin gestorben waren.

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