Arbeit und Verkehr

 

Den Weg zur Arbeit durch Expressbuslinien verkürzen


Der Weg zur Arbeit bzw. von der Arbeit nach Hause ist wesentlicher Bestandteil des Arbeitsalltags von Beschäftigten. Eine gute verkehrliche Anbindung des Beschäftigungsortes und kurze Wege zwischen Zuhause und Beschäftigungsort haben dabei großen Einfluss auf die Wahl eines Arbeitgebers, soweit diese gegeben ist. Kurze Arbeitswege können Beschäftigte effektiv zeitlich entlasten und ihnen mehr Erholungs- und Familienzeit ermöglichen. Dies fördert auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

In Bremen gibt es zahlreiche Pendlerströme zu großen Arbeitgebern wie Daimler oder ArcelorMittal Bremen und in große Gewerbegebiete wie das Güterverkehrszentrum Bremen (GVZ) oder die Hansalinie, in denen zahlreiche Unternehmen ansässig sind. Aufgrund der hohen Beschäftigungsdichten werden insbesondere attraktive Busverbindungen (u.a. Expressbuslinien) von und zu den Knotenpunkten Bahnhof Sebaldsbrück, Bahnhof Mahndorf und Bahnhof Burg benötigt. Angesichts klimapolitischer Zielsetzungen und vieler Beschäftigter, die auf andere Verkehrsträger als das Auto angewiesen sind, muss es Ziel sein, über den motorisierten Individualverkehr (MIV) hinaus eine attraktive und schnelle verkehrliche Anbindung des Beschäftigungsortes u. a. durch den ÖPNV sicherzustellen. Unser Ziel ist, die Wege für die Bürger:innen deutlich zu verkürzen. Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort werden dabei nicht immer in schnell zu schaffen sein. Aber sie lassen sich deutlich reduzieren.

Dazu bieten sich insbesondere Expressbuslinien zu den Zeiten des Schichtwechsels an. Sie legen weite Strecken ohne Zwischenhalt zurück, bedienen nur wichtige Umsteigepunkte und erschließen teils die Stadtrandbereiche mit üblichem Haltestellenabstand. Insgesamt können Expressbuslinien kürzere Wege zur Arbeit ermöglichen, indem Umstiege reduziert werden, lange oder ungünstige Umsteigezeiten entfallen und sich Fahrzeiten auch durch weniger Halte reduzieren. Dadurch können an den Stadtgrenzen von Bremen ergänzende Angebote für Pendler:innen geschaffen werden. Die Expressbuslinien können insgesamt eine Angebotslücke im ÖPNV schließen und könnten auch im Stadt-Regionalen-Busverkehr zum Einsatz kommen, um auch für Ein- und Auspendler:innen ein attraktives ÖPNV-Angebot in den Korridoren ohne Bahn oder Straßenbahn zu ermöglichen.

Mit beispielsweise der Linie 63S, die als Expresslinie ab dem Bremer Hauptbahnhof bis zum GVZ verkehrt, existiert bereits eine probeweise eingeführte erfolgreiche Schnellverbindung in ein großes Bremer Gewerbegebiet. Um Beschäftigten auch schnelle Anbindungen in weitere Gewerbegebiete und zu Betrieben zu sichern, soll in Bremen geprüft werden, inwieweit weitere Expressbuslinien sinnvoll eingerichtet werden können. Diese sollten zwischen zentralen Haltestellen wie dem Bremer Hauptbahnhof und/oder Bf. Mahndorf, Bf. Burg, Bf. Neustadt, Endhaltestelle Gröpelingen und großen Arbeitgebern bzw. Gewerbegebieten verkehren und so getaktet sein, dass Hauptverkehrszeiten morgens und abends, Schichtwechsel, aber auch Schwachverkehrszeiten ausreichend abgedeckt werden. Dazu soll der Senat zeitnah Gespräche mit der BSAG, VBN und ZVBN, großen Unternehmen und Gewerkschaften führen. Entsprechende Erfahrungen mit vergleichbaren Linien können einbezogen werden. Neben einer qualitativen Bedarfsermittlung soll eine datengestützte Potenzialanalyse vorgenommen werden (Verkehrsmodell), mit deren Hilfe erfolgsversprechende Korridore besser priorisiert werden können.

In die Planung einzubeziehen ist auch die Prüfung der vorhandenen und möglicherweise anzupassenden verkehrlichen Infrastruktur wie Haltestellen, Busspuren, Busschleusen und Beeinflussung von Ampelanlagen für die Expressbuslinien. Grundsätzlich ist immer der Systemgedanke im Auge zu behalten, also Aufwand und Nutzen des ÖPNV-Systems in Gesamtheit. Expressbusse können immer nur eine Ergänzung zur Grundbedienung sein und sie sind dort am wertvollsten, wo sie den größten Zusatznutzen generieren.

Eine schnelle und attraktive Anbindung mit dem ÖPNV kommt nicht nur den Beschäftigten und den Unternehmen, sondern auch der Umwelt zugute, da einige Beschäftigte so für den Weg zur Arbeit potenziell vom eigenen Auto auf den ÖPNV umsteigen und Verkehre in der Stadt reduziert werden können. Dadurch verringert sich auch die grundsätzliche Notwendigkeit, aufgrund der Arbeit über einen eigenen Pkw zu verfügen.

In der VEP-Teilfortschreibung 2025 sind Expressbuslinien ein Teil der „ÖPNV-Strategie“. Angebotsstufe 4 beschäftigt sich explizit mit der stadtweiten Einrichtung von Expressbuslinien in Bremen. Der vorliegende Antrag zielt insofern auf eine weitere Priorisierung der in der Angebotsstufe 4 geplanten Maßnahmen. Im Idealfall fließen die Ergebnisse der Beschlussfassung 1:1 in die Umsetzung von Angebotsstufe 4 ein, wobei eine vorgezogene Teilumsetzung möglich ist.

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