Soziales

 

Förderung von Frauenhäusern und Kinderschutzeinrichtungen


Seit vielen Jahren leisten die Bremer Frauenhäuser und Kinderschutzeinrichtungen, wie Mädchenhaus, Jungenbüro, Schattenriss und der Kinderschutzbund, eine fachlich höchst anerkannte und für unser Gemeinwesen unverzichtbare Arbeit. Es ist an der Zeit, diese Einrichtungen in eine dauerhafter angelegte Form der Finanzierung zu überführen und sie institutionell zu fördern.

Die Frauenhäuser in Bremen werden hauptsächlich über Tagessätze für die aufgenommenen Einzelfälle finanziert. Das mit den Frauenhäusern vereinbarte Leistungsentgelt setzt sich zusammen aus einer Grundpauschale (Unterkunft), einer Maßnahme-Pauschale (Betreuung, Förderung und Anleitung) sowie einem Investitionsbetrag (Bereitstellung und Erhaltung der betriebsnotwendigen Anlagen). Die gesetzlichen Grundlagen sehen vor, dass Frauen zunächst ihr eigenes Einkommen oder Vermögen einsetzen. Die einzelfallabhängige Finanzierung über Tagessätze wird von den Sozialhilfeträgern für die Frauen übernommen, die einen Anspruch auf Sozialleistungen nach SGB II, SGB XII oder AsylbLG haben.  Für die Mitarbeiterinnen entsteht ein erheblicher Aufwand in ihrer Arbeitszeit durch das individuelle und zeitaufwendige Erstattungsverfahren durch die Sozialleistungsträger für jede einzelne Frau. Diese Zeit fehlt für die individuelle Betreuung der Frauen während ihres Aufenthaltes in den Frauenhäusern.

Gegenwärtig sehen sich die Frauenhäuser zudem verstärkt mit der Nachfrage geflüchteter Frauen mit den vielfältigsten soziokulturellen Hintergründen und sprachlichen Barriere konfrontiert, die ebenfalls zum Schutz vor Gewalt Zuflucht in den Frauenhäusern suchen.

Seit vielen Jahren leisten verschiedene Einrichtungen in freier Trägerschaft eine wichtige Beratungsarbeit für Mädchen, Jungen und Frauen mit (sexualisierter) Gewalterfahrungen. Die Arbeit dieser professionellen Beratungsstellen bietet den Opfern und ihren Angehörigen Schutz, eine unbürokratische Akutversorgung, Beratung, therapeutische und juristische Hilfe sowie klar parteiische Anlaufstellen, die mit der Situation die Betroffenen, durch langjährige Erfahrung vertraut sind. Posttraumatische Belastungsstörungen, Bindungs- und Angststörungen, Schulversagen, Suchtverhalten, Essstörungen und aggressives Verhalten können Folgen (sexualisierter) Gewalterfahrungen im Kindes- und Jugendalter sein. Die Beratungsstellen begleiten bei Wegen aus der Gewalt und bei der Verarbeitung und Bewältigung von sexueller Gewalt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Beratungseinrichtungen bringen darüber hinaus Fachwissen in Arbeitskreisen sowie bei Vorträgen und Fortbildungen, insbesondere im schulischen Kontext, ein. In zunehmendem Maße geraten die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Grenzen ihrer Kapazitäten, weil sie zusätzlich zu ihrer Facharbeit wiederkehrend Finanzierungsengpässe zu bewältigen haben.

Sowohl die bisherige Tagessatzfinanzierung der Frauenhäuser als auch die Förderungszuschüsse der Einrichtungen in freier Trägerschaft sollten durch verlässlichere und längerfristig planbare institutionelle Förderung bzw. institutionelle Teilförderung abgelöst werden. Obwohl diese Förderung des Zuwendungsempfängers jährlich neu beantragt und vom Zuwendungsgeber neu bewilligt werden muss, gleicht die institutionelle Förderung in der Praxis einer Art Dauerverpflichtung für die öffentliche Hand. Gleichwohl müssen auch bei einer Umstellung auf eine institutionelle Förderung alle Möglichkeiten der Refinanzierung ausgeschöpft werden.

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