Kultur

 

Graffiti – große Kunst oder lästige Schmiererei?


Graffiti gibt es schon seit Beginn der Zivilisation. Jeder kennt sie, manche können sie nicht mehr sehen und andere bekommen nicht genug davon: Der italienische Begriff ist die Pluralform von Graffito und bedeutet so viel wie Kratzbild. Schon die ersten bekannten Höhlenmalereien gehören somit laut Definition zu dieser künstlerischen Ausdrucksform. Heute findet man sie überall: An privaten Häusern und in und an öffentlichen Gebäuden, unter Brücken, in Tunneln, auf Gefängnis- oder Toilettenwänden. Einen Boom erleben diese Bilder seit den 1970er Jahren, ausgehend von New York City. Und nicht nur das Graffiti, sondern die ganze Subkultur des Hip-Hops, des Breakdance und das DJ-ing kam dann zu Beginn der 1980er Jahre nach Europa. Graffiti wurde eine der vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Subkultur, verstand sich oft als politisch und fand meist in der Illegalität statt. Und das hat sich bis heute wenig verändert.

Die Akzeptanz und Definition von Graffiti sind allerdings sehr unterschiedlich geprägt. Werden nicht genehmigte Graffiti in der öffentlichen Wahrnehmung, insbesondere in der westlichen Welt häufig als ärgerliche Form von Vandalismus betrachtet, werden sie ebenso oft auch als vitale Form und ausdrucksstarkes Mittel der Kunst anerkannt – beides  schließt sich nicht aus. Inzwischen gibt es auch kommerzielle, in manchen Fällen durchaus gewinnbringende Angebote.

Öffentliche Einrichtungen treffen unterschiedliche Maßnahmen, um das illegale Anbringen von Graffiti zu verhindern. Viele Gemeinden geben zwar spezielle Flächen für diese Ausdrucksform frei, illegal angebrachten Werke werden jedoch meist bekämpft und entfernt. Die gesetzliche Ahndung reicht bis zum Besitzverbot entsprechender Werkzeuge und Gestaltungsmittel. Der Zentralverband der Deutschen Haus- und Grundeigentümer teilte 2005 mit, dass die Entfernung unerlaubter Graffiti von Gebäuden und von öffentlichen Verkehrsmitteln pro Jahr Kosten von rund 500 Millionen Euro verursache. Die Deutsche Bahn beziffert ihre Schäden im Jahr 2012 auf 33 Millionen Euro, von 30.000 Vandalismustaten seien immerhin 14.000 Graffiti-Fälle. Graffiti ist aus der modernen Stadt längst nicht mehr wegzudenken.

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