Große Anfrage Land: Angriffe gegen Polizeibeamte: Punkten mit Randale?


Große Anfrage der Fraktion der SPD
Aktuelle Statistiken lassen keinen Zweifel aufkommen: Die Gefahr für Polizeibeamtinnen und –beamte Opfer von Gewalttaten zu werden, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Laut Polizei Bremen hat es 2011 insgesamt 299 Gewaltvorfälle gegen Polizisten gegeben, bereits in den drei Folgejahren war eine Steigerung dieser Fälle um 20 Prozent zu verzeichnen (jeweils rund 360 Fälle) – und die Entwicklung zeigt weiter nach oben: Zwar sind laut Polizei Bremen noch nicht alle Fälle aus dem Jahr 2015 gezählt, klar sei aber bereits jetzt, dass die Zahl der Gewalttaten gegen Polizeibeamtinnen und –beamte auf mindestens 418 Fälle gestiegen ist. Die Entwicklung in Bremerhaven sieht für diesen Zeitraum ähnlich aus: In der Seestadt ist die Gewalt gegen PolizeibeamtInnen um fast 40 Prozent angestiegen.

Besonders geschmacklos gerieren sich dabei gewaltbereite Fußballfans: Nicht nur, dass rund um die Fußball(bundesliga)-Spiele regelmäßig ein äußerst hohes Aggressionspotenzial gegenüber PolizeibeamtInnen zu erleben ist – zudem kursiert auf einer linksautonomen Internetseite eine ganz besondere „Spiel“-Tabelle: Unter dem Titel „Randale-Bundesliga“ bewerten die Autoren dabei die jüngst gestartete Fußballsaison – und zwar nach dem Kriterium, mit welchen gewalttätigen Aktionen sich sogenannte Fußballfans bislang nach oben „gespielt“ hätten. Bremen findet in dem kurzen Artikel zum Thema, aber auch in der Liga-Beschreibung im Forum selbst, namentliche Erwähnung und landet in der sogenannten Blitztabelle auf dem zweiten Platz. Die Hansestadt sei – mit bereits zwei Angriffen auf die Polizei als erklärten Gegner – „gut“ in die Saison eingestiegen. Man dürfe mit Bremen rechnen; ein Team, welches durchaus das Potential besitze, ganz vorne mit dabei zu sein. Dabei geht es den Autoren wohlgemerkt nicht um Fußballspielergebnisse, sondern vielmehr darum, welche Fangruppen mit den „besten“ gewalttätigen Aktionen auffallen. „Gepunktet“ habe man in der Hansestadt beispielsweise mit dem pyrotechnischen Angriff auf die Polizeiwache in Bremen Lesum und dem Feuerwerkskörper-Beschuss eines Einsatzfahrzeugs mit zwei PolizeibeamtInnen am Sielwall, heißt es in dem Text zur „Randale-Bundesliga“.
Aber auch auf Seiten rechtgerichteter Fußballfans nimmt die Gewalt und deren Verherrlichung ein zunehmendes Ausmaß an. Hinter dieser Erkenntnis verbergen sich mindestens zwei Entwicklungen. Auf der einen Seite erreichen die Auseinandersetzungen zwischen links- und rechtsgerichteten Fangruppierungen ein neues Niveau. Auf der anderen Seite ist eine zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und –beamte feststellbar, die zwar ebenfalls keine neue Entwicklung darstellt, jedoch in Qualität und Quantität ansteigt. Beides ist nicht zu akzeptieren. Insbesondere Gewalt gegen Einsatzkräfte – egal ob sie von rechten oder linken Fangruppen oder von unpolitischen Tätern ausgeht, wird nicht toleriert.

Neben leichten bis schweren körperlichen Verletzungen können diese Angriffe und die Situation, im Einsatz mit dem Rücken zur Wand zu stehen, auch posttraumatische Auswirkungen haben, die für die und den Einzelnen im privaten Alltag und auch in zukünftigen Einsätzen schwer zu verarbeiten sind.
Wir fragen den Senat:
1. Wie schätzt der Senat die auf der Internetseite „linksunten.indymedia.org“ beworbene „Randale-Bundesliga“ ein und gibt es darüber hinausgehende polizeiliche Erkenntnisse zu diesem oder ähnlichen Rankings?

2. Hält der Senat diesen Aufruf zur Gewalt für strafrechtlich relevant und sieht er Grund zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens?

3. Mehrere der Vorfälle in Bremen, über die auf der Internetseite berichtet wurde, scheinen eine Verbindung zum Fußball, womöglich zur Ultraszene oder der linksautonomen Szene zu haben.

a) Wie schätzt der Senat diese Szene insbeondere in Bezug auf Handlungsfähigkeit und Gefahrenpotenzial ein, gibt es Erkenntnisse über Tatverdächtige, und worauf lassen diese schließen?

b) Inwieweit ist zu befürchten, dass grundsätzlich gewaltbereite Gruppierungen sich von „Wettbewerbsgedanken“ über das übliche Verhalten hin animieren lassen sowie sich zu quantitativ und qualitativ gesteigerten Angriffen gegen die Polizei animiert fühlen und in welchem Zusammenhang sieht der Senat die zitierten Vorfälle im Dezember 2015 und Januar 2016?

c) Werden vergleichbare Übergriffe wie in Bremen und Bremen-Nord auch in Bremerhaven befürchtet?

d) Gibt es ähnliche „Wettbewerbs-Strukturen“ unter rechtsradikalen Gruppierungen oder bestehen Unterschiede in Bezug auf die ausgeübte Gewalt, das polizeiliche Einschreiten und Übergriffe gegenüber PolizeibeamtInnen?

4. Wird auch eine Steigerung der Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen befürchtet und ist gibt es Erkenntnisse darüber, dass Hooligans oder Ultragruppen gezielt Fußballspiele für Ihre politischen Auseinandersetzungen oder Auseinandersetzungen mit der Polizei suchen?

5. Mit welcher Strategie reagiert die Polizei auf die Ankündigung einer „Randale-Bundesliga“?

6. Sind in Bezug auf Gewalt aus Menschenmassen bei Demonstrationen, im Zusammenhang mit Fussballspielen oder auch bei spontanen oder zufällligen Ansammlungen Veränderungen des gruppendynamischen und individuellen Verhalten zu verzeichen?

7. Wie viele PolizeibeamtInnen wurden in den letzen beiden Jahren beim Einsatz am Rande von Fußballspielen in Bremen, aufgeteilt nach Ligen, verletzt?

8. Die Arbeit der Polizei beschränkt sich besonders im Bereich der politischen und extremistischen Straftaten nicht auf das Einsatzgeschehen vor Ort anlässlich von Veranstaltungen. Inwieweit ist ein Anstieg der Fallzahlen und des Arbeitsaufwandes der Abteilung „Staatsschutz‘“ zu verzeichnen?
(Bitte getrennt auflisten nach Rechtsextremistismus, Linksextremismus und (religiösem) Extremismus/ Terrorismus)

9. Angriffe gegen die Polizei richten sich gezielt gegen den demokratischen Rechtsstaat, als dessen Repräsentanten die Polizeibeamten wahrgenommen werden. Diese sind laut Statistik angestiegen. Sieht der Senat eine besondere Entwicklung innerhalb der links- und rechtsautonomen Szene und wie kann die oft intervallartig verlaufende Aktivität dieser Szenen erklärt werden?

10. Gibt es in diesem Zusammenhang Handlungsbedarf bezüglich des Schutzes von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit etwa im Streifenwagen oder andernorts?

11. Welche Maßnahmen werden für die betroffenen Beamtinnen und Beamten nach einem auf sie erfolgten Angriff insbesondere im Hinblick auf psychische Folgen angeboten?

12. Gibt es bestimmte Leitfäden oder Geschehensabläufe nach belastenden Gewalterfahrungen für PolizeibeamtInnen?

13. Inwiefern wird schon in der Ausbildung junger Polizistinnen und Polizisten auf gewaltätige, feindselige Angriffe vorbereitet und wie wird dabei zwischen verschiedenen Beweggründen und Umständen der Angriffe unterschieden?

14. Bremen will Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte besser vor Angriffen von Gewalttätern schützen und sich auf Bundesebene für die Schaffung neuer Strafrechtsrahmen einsetzen. Wie weit ist die Entwicklung in diesem Bereich fortgeschritten?

Sükrü Senkal, Holger Welt, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD

Große Anfrage der Fraktion der SPD
Angriffe gegen Polizeibeamte: Punkten mit Randale?

Aktuelle Statistiken lassen keinen Zweifel aufkommen: Die Gefahr für Polizeibeamtinnen und –beamte Opfer von Gewalttaten zu werden, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Laut Polizei Bremen hat es 2011 insgesamt 299 Gewaltvorfälle gegen Polizisten gegeben, bereits in den drei Folgejahren war eine Steigerung dieser Fälle um 20 Prozent zu verzeichnen (jeweils rund 360 Fälle) – und die Entwicklung zeigt weiter nach oben: Zwar sind laut Polizei Bremen noch nicht alle Fälle aus dem Jahr 2015 gezählt, klar sei aber bereits jetzt, dass die Zahl der Gewalttaten gegen Polizeibeamtinnen und –beamte auf mindestens 418 Fälle gestiegen ist. Die Entwicklung in Bremerhaven sieht für diesen Zeitraum ähnlich aus: In der Seestadt ist die Gewalt gegen PolizeibeamtInnen um fast 40 Prozent angestiegen.

Besonders geschmacklos gerieren sich dabei gewaltbereite Fußballfans: Nicht nur, dass rund um die Fußball(bundesliga)-Spiele regelmäßig ein äußerst hohes Aggressionspotenzial gegenüber PolizeibeamtInnen zu erleben ist – zudem kursiert auf einer linksautonomen Internetseite eine ganz besondere „Spiel“-Tabelle: Unter dem Titel „Randale-Bundesliga“ bewerten die Autoren dabei die jüngst gestartete Fußballsaison – und zwar nach dem Kriterium, mit welchen gewalttätigen Aktionen sich sogenannte Fußballfans bislang nach oben „gespielt“ hätten. Bremen findet in dem kurzen Artikel zum Thema, aber auch in der Liga-Beschreibung im Forum selbst, namentliche Erwähnung und landet in der sogenannten Blitztabelle auf dem zweiten Platz. Die Hansestadt sei – mit bereits zwei Angriffen auf die Polizei als erklärten Gegner – „gut“ in die Saison eingestiegen. Man dürfe mit Bremen rechnen; ein Team, welches durchaus das Potential besitze, ganz vorne mit dabei zu sein. Dabei geht es den Autoren wohlgemerkt nicht um Fußballspielergebnisse, sondern vielmehr darum, welche Fangruppen mit den „besten“ gewalttätigen Aktionen auffallen. „Gepunktet“ habe man in der Hansestadt beispielsweise mit dem pyrotechnischen Angriff auf die Polizeiwache in Bremen Lesum und dem Feuerwerkskörper-Beschuss eines Einsatzfahrzeugs mit zwei PolizeibeamtInnen am Sielwall, heißt es in dem Text zur „Randale-Bundesliga“.
Aber auch auf Seiten rechtgerichteter Fußballfans nimmt die Gewalt und deren Verherrlichung ein zunehmendes Ausmaß an. Hinter dieser Erkenntnis verbergen sich mindestens zwei Entwicklungen. Auf der einen Seite erreichen die Auseinandersetzungen zwischen links- und rechtsgerichteten Fangruppierungen ein neues Niveau. Auf der anderen Seite ist eine zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und –beamte feststellbar, die zwar ebenfalls keine neue Entwicklung darstellt, jedoch in Qualität und Quantität ansteigt. Beides ist nicht zu akzeptieren. Insbesondere Gewalt gegen Einsatzkräfte – egal ob sie von rechten oder linken Fangruppen oder von unpolitischen Tätern ausgeht, wird nicht toleriert.

Neben leichten bis schweren körperlichen Verletzungen können diese Angriffe und die Situation, im Einsatz mit dem Rücken zur Wand zu stehen, auch posttraumatische Auswirkungen haben, die für die und den Einzelnen im privaten Alltag und auch in zukünftigen Einsätzen schwer zu verarbeiten sind.
Wir fragen den Senat:
1. Wie schätzt der Senat die auf der Internetseite „linksunten.indymedia.org“ beworbene „Randale-Bundesliga“ ein und gibt es darüber hinausgehende polizeiliche Erkenntnisse zu diesem oder ähnlichen Rankings?

2. Hält der Senat diesen Aufruf zur Gewalt für strafrechtlich relevant und sieht er Grund zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens?

3. Mehrere der Vorfälle in Bremen, über die auf der Internetseite berichtet wurde, scheinen eine Verbindung zum Fußball, womöglich zur Ultraszene oder der linksautonomen Szene zu haben.
a) Wie schätzt der Senat diese Szene insbeondere in Bezug auf Handlungsfähigkeit und Gefahrenpotenzial ein, gibt es Erkenntnisse über Tatverdächtige, und worauf lassen diese schließen?
b) Inwieweit ist zu befürchten, dass grundsätzlich gewaltbereite Gruppierungen sich von „Wettbewerbsgedanken“ über das übliche Verhalten hin animieren lassen sowie sich zu quantitativ und qualitativ gesteigerten Angriffen gegen die Polizei animiert fühlen und in welchem Zusammenhang sieht der Senat die zitierten Vorfälle im Dezember 2015 und Januar 2016?
c) Werden vergleichbare Übergriffe wie in Bremen und Bremen-Nord auch in Bremerhaven befürchtet?
d) Gibt es ähnliche „Wettbewerbs-Strukturen“ unter rechtsradikalen Gruppierungen oder bestehen Unterschiede in Bezug auf die ausgeübte Gewalt, das polizeiliche Einschreiten und Übergriffe gegenüber PolizeibeamtInnen?

4. Wird auch eine Steigerung der Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen befürchtet und ist gibt es Erkenntnisse darüber, dass Hooligans oder Ultragruppen gezielt Fußballspiele für Ihre politischen Auseinandersetzungen oder Auseinandersetzungen mit der Polizei suchen?

5. Mit welcher Strategie reagiert die Polizei auf die Ankündigung einer „Randale-Bundesliga“?

6. Sind in Bezug auf Gewalt aus Menschenmassen bei Demonstrationen, im Zusammenhang mit Fussballspielen oder auch bei spontanen oder zufällligen Ansammlungen Veränderungen des gruppendynamischen und individuellen Verhalten zu verzeichen?

7. Wie viele PolizeibeamtInnen wurden in den letzen beiden Jahren beim Einsatz am Rande von Fußballspielen in Bremen, aufgeteilt nach Ligen, verletzt?

8. Die Arbeit der Polizei beschränkt sich besonders im Bereich der politischen und extremistischen Straftaten nicht auf das Einsatzgeschehen vor Ort anlässlich von Veranstaltungen. Inwieweit ist ein Anstieg der Fallzahlen und des Arbeitsaufwandes der Abteilung „Staatsschutz‘“ zu verzeichnen?
(Bitte getrennt auflisten nach Rechtsextremistismus, Linksextremismus und (religiösem) Extremismus/ Terrorismus)

9. Angriffe gegen die Polizei richten sich gezielt gegen den demokratischen Rechtsstaat, als dessen Repräsentanten die Polizeibeamten wahrgenommen werden. Diese sind laut Statistik angestiegen. Sieht der Senat eine besondere Entwicklung innerhalb der links- und rechtsautonomen Szene und wie kann die oft intervallartig verlaufende Aktivität dieser Szenen erklärt werden?

10. Gibt es in diesem Zusammenhang Handlungsbedarf bezüglich des Schutzes von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit etwa im Streifenwagen oder andernorts?

11. Welche Maßnahmen werden für die betroffenen Beamtinnen und Beamten nach einem auf sie erfolgten Angriff insbesondere im Hinblick auf psychische Folgen angeboten?

12. Gibt es bestimmte Leitfäden oder Geschehensabläufe nach belastenden Gewalterfahrungen für PolizeibeamtInnen?

13. Inwiefern wird schon in der Ausbildung junger Polizistinnen und Polizisten auf gewaltätige, feindselige Angriffe vorbereitet und wie wird dabei zwischen verschiedenen Beweggründen und Umständen der Angriffe unterschieden?

14. Bremen will Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte besser vor Angriffen von Gewalttätern schützen und sich auf Bundesebene für die Schaffung neuer Strafrechtsrahmen einsetzen. Wie weit ist die Entwicklung in diesem Bereich fortgeschritten?

Sükrü Senkal, Holger Welt, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD

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