Kleine Anfrage Land: Berufsbegleitende Weiterbildung – Welche Chancen werden für berufstätige Frauen geschaffen?


Kleine Anfrage der Fraktion der SPD

Gleichheit zwischen den Geschlechtern wird stets gefordert, doch besonders auf dem Ar-beitsmarkt sind die Unterschiede nach wie vor deutlich sichtbar. Die Lohnlücke liegt in Bre-men noch immer bei 25 Prozent, im Bundesdurchschnitt liegt sie sogar noch etwas höher. Besonders schwierig sieht es aber im Alter aus. Altersarmut ist vor allem weiblich, denn sig-nifikant weniger Frauen als Männer gehen dauerhaft einer nachhaltig existenzsichernden Arbeit nach. Ursache hierfür ist unter anderem, dass Frauen häufiger als Männer in schlecht bezahlten Beschäftigungen arbeiten. Gerade in den Dienstleistungs- und Care-Berufen sind überdurchschnittlich viele Frauen zu finden. Zudem arbeiten Frauen bekannter Weise häufi-ger als Männer in Teilzeit – auch nach der Familienphase.

Vor diesem Hintergrund bleibt es wichtig, Qualifizierungsangebote für Frauen zu erhalten und weiter zu entwickeln, damit sich ihre Chancen in Beschäftigung und auf dem Arbeits-markt verbessern. Frauen haben einen anderen Blick auf ihre berufliche Situation und identi-fizieren so auch andere Bedarfe als Männer. Auch Weiterbildungsangebote können teilweise nur in Teilzeit wahrgenommen werden und Entscheidungen für oder gegen eine berufliche Weiterbildung basieren nicht nur auf beruflichen Erwägungen. Deshalb ist es umso wichtiger für berufstätige Frauen, sich entsprechend der individuellen Bedürfnisse und Rahmenbedin-gungen fortzubilden. Berufliche Weiterbildung ist der Schlüssel für nachhaltige, existenzsi-chernde Arbeit, die (auch im Alter) vor Armut schützt. Der Fokus der Anfrage liegt hier auf öffentlich geförderter Weiterbildung von berufstätigen Frauen, die zum Ziel hat, die indivi-duelle berufliche Qualifikation zu erweitern. Nicht gemeint sind z.B. Bildungsurlaub oder die zur Ausübung eines Berufs generell notwendige Qualifikation, wie z.B. eine Ausbildung.

Die Weiterbildung der Beschäftigten ist die originäre Aufgabe der Unternehmen. Diese wird allerdings sehr unterschiedlich wahrgenommen. Deshalb ist es wichtig, auch Unternehmen dafür zu sensibilisieren, das – vor allem vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisie-rung – die Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen ebenso wie die Ausbildung auch den Bedarf an Fachkräfte sichern hilft.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

1. Welche Informationen liegen dem Senat über den Anteil von Frauen an öffentlich ge-förderter berufsbegleitender Weiterbildung in den vergangenen 3 Jahren für Bremen und Bremerhaven vor?

2. Welchen Berufen gehen die Frauen in öffentlich geförderter berufsbegleitender Wei-terbildung nach bzw. in welchen Branchen sie beschäftigt sind – sofern dem Senat bekannt?

3. Welche Angebote an öffentlich geförderter berufsbegleitender Weiterbildung gibt es in Bremen und Bremerhaven für berufstätige Frauen und Männer?

4. Welche finanziellen Fördermöglichkeiten können ArbeitnehmerInnen in Bremen und Bremerhaven in Anspruch nehmen, um sich berufsbegleitend weiterzubilden und wie wurden diese von Frauen in Anspruch genommen – sofern bekannt?

5. Gibt es Erkenntnisse über die Weiterbildungsbeteiligung von Frauen und wie häufig diese von Unternehmen bzw. privat finanziert werden (z.B. Studien, Erhebungen)?

6. Wie müssen die Rahmenbedingungen sein, damit mehr Frauen (mit Kindern, Alleiner-ziehende) an berufsbegleitender Weiterbildung teilnehmen (können)?

7. Welche öffentlich geförderten (und dem Senat darüber hinaus bekannten) berufli-chen Weiterbildungen werden in Teilzeit und an Wochenenden angeboten?

8. Welche Aktivitäten unternimmt der Senat begleitend, um die Weiterbildungsbeteili-gung von Frauen im Land Bremen allgemein zu steigern und welche weiteren Maß-nahmen wären noch möglich?

9. Sieht der Senat die Möglichkeit für mehr Bereitschaft in den Unternehmen zu wer-ben, die MitarbeiterInnen weiterzubilden und so auch dem Fachkräftebedarf zu be-gegnen?

Sybille Böschen, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD

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