Kleine Anfrage Land: Hausboote, Floating Homes


Kleine Anfrage der Fraktion der SPD
Das Leben auf und neben dem Wasser erfreut sich immer größerer Beliebtheit, so dass sich Stadtentwickler aus dem Umwelt- und Bauressort bereits im Jahr 2012 mit der Frage der Freigabe von Liegeplätzen für Floating Homes beschäftigt haben. Als mögliche Standorte wurden neben dem Europahafen in der Überseestadt die Kleine Weser, der Hohentorshafen, der ehemalige Eichanleger am Teerhof und Bereiche der Lesum geprüft. Alle genannten Standorte liegen außerhalb der Landesschutzdeichlinie, sind vor Hochwasser also nicht geschützt und unterliegen dem in Bremen mit bis zu 4,20 Meter recht hohen Tidenhub. Erfahrungen mit Floating Homes in einem solchen, von der Tide stark beeinflussten Umfeld, liegen noch nicht vor, weshalb der Europahafen in der Überseestadt als Pilotprojekt ausgewählt wurde.

Auf Höhe des Schuppen 3 wurde eine Wasserfläche ausgewiesen, auf der ein möglicher Investor Floating Homes in Form eines Musterhauses an einer der vorhandenen Steganlagen als Ausstellungsobjekt präsentieren kann. Als dauerhafter Standort für Floating Homes kann die Fläche allerdings noch nicht ausgewiesen werden, da weitere Untersuchungen über die Verträglichkeit der Wohnnutzung mit den umgebenden gewerblichen Betrieben und zum Immissionsschutz nötig sind. Zusätzlich sind wasserrechtliche Regelungen zu beachten, die vom Projektumfang und deren Auswirkungen auf das Gewässer abhängen. Des Weiteren müssen die Fragen geklärt werden, wie der Zugang für Feuerwehr und Krankenwagen sichergestellt und wie die Versorgung mit Wasser und Strom und die Abwasserentsorgung vorgenommen werden kann.
Auch in Bremerhaven sind Aktivitäten im Bereich von Floating Homes zu beobachten. In der Marina des Neuen Hafens in Bremerhaven liegt seit Sommer 2016 ein schwimmendes Ferienhaus in privater Hand, welches auch als Anschauungsobjekt des holländischen Produzenten und zum Probewohnen genutzt wird. Der Yachthafen „im Jaich“ im Neuen Hafen gehört zum Bereich der Hafenwelten und der Betreiber besitzt schwimmende Ferienhäuser in dessen Wasserferienwelt auf der Insel Rügen, wodurch er bereits auf Erfahrungen in diesem Gebiet zurückgreifen kann.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

1. Wie wurde das Pilotprojekt am Europahafen von möglichen Investoren genutzt und wie viele Floating Homes wurden in Form von Musterhäusern ausgestellt?

2. Welche Erfahrungen konnten für die Realisierung von Floating Homes in stark von der Tide abhängigen Gewässern gesammelt werden?

3. Hält der Senat den Standort Europahafen in der Überseestadt für geeignet, um ihn für die Nutzung von Floating Homes auszuweisen und gegebenenfalls auszuweiten?

4. Wie viele der Floating Homes können am Europahafen untergebracht werden und welche weiteren potentiellen Standorte gibt es in Bremen?

5. Gibt es Überlegungen des Senats, Bremen-Nord bei der Suche nach Stadtorten für Floating Homes miteinzubeziehen und wenn ja, welches wären mögliche Standorte in Bremen-Nord? Was hat die Prüfung des Standortes Lesum ergeben?

6. Werden vom Senat auch Standorte in Bremerhaven als mögliche Liegeplätze für Floating Homes geprüft und wenn ja, welche sind das?

7. Steht der Senator im Austausch mit dem Betreiber des Yachthafens in Bremerhaven bei der Weiterentwicklung des Themas Floating Homes und bei der Suche nach möglichen Standorten in Bremerhaven? Wenn ja, welche Erkenntnisse konnte der Senat dabei gewinnen? Steht der Yachthafenbetreiber einem möglichen Ausbau und Betrieb von Floating Homes positiv gegenüber?

8. Wie hoch schätzt der Senat die Investitionsausgaben ein, die für eine voll entwickelte Infrastruktur für Floating Homes samt Steganlage, Strom- und Wasserversorgung und Wasserentsorgung anfallen könnten?

9. Wurde das für Wohnen auf dem Wasser erforderliche Planungsrecht im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens geschaffen?

10. Wie war die Resonanz in der Bevölkerung und wie viele private Interessenten gibt es, die sich für Floating Homes und einen Liegeplatz im Europahafen interessieren?

Andreas Kottisch, Jürgen Pohlmann, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD

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