Nahversorgung

 

Perspektive der Wochenmärkte im Land Bremen


Kleine Anfrage der Fraktion der SPD

Die Großmarkt Bremen GmbH verzeichnet laut eigenen Angaben seit einigen Jahren einen Rückgang an Einnahmen aus dem Vermietungsgeschäft der Marktstandflächen auf den Wochenmärkten im Bundesland Bremen. Gemeint sind hierbei nach der Gewerbeordnung festgesetzte Marktveranstaltungen, die im Regelfall auf öffentlichem Grund stattfinden. Die GWO definiert in § 67 den Wochenmarkt wie folgt: „Ein Wochenmarkt ist eine regelmäßig wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Anbietern eine oder mehrere … Waren feilbietet.“ Zu den Warenarten zählen Lebensmittel und Erzeugnisse aus dem Obst- und Gartenbau, der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei und rohe Naturerzeugnisse, ausgenommen ist der Vertrieb von Alkohol.

Wochenmärkte hatten früher vor allem das Ziel der Daseinsvorsorge: Besonders regionale Anbieter und Erzeuger sollten ihre Waren schnell und unkompliziert direkt an den Endverbraucher verkaufen können; umgekehrt sollten die VerbraucherInnen frische Waren leicht erwerben können. Außerdem kommt dem klassischen Wochenmarkt eine Wichtige Funktion als Treffpunkt zu und spielt damit eine wichtige soziale Rolle im Stadtteil. In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Wochenmarkt von einem Anbietermarkt mit hoher Nachfrage zu einem Markt entwickelt, der sehr sensibel auf eine veränderte, zumeist sinkende Nachfrage reagiert. Die Altersstruktur der Kundschaft ist hoch, besonders unter der Woche. Die Öffnungszeiten sind in der Regel vormittags, bis zum frühen Nachmittag. Der Hauptstrom der Kundschaft ist zwischen 9:30 Uhr und 12:30Uhr. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten wird regelmäßig durch die Marktleute abgelehnt. Begründet wird dies mit den teilweise frühen und langen Anfahrtszeiten und den rückläufigen Umsatzzahlen. Gerade kleinere Märkte haben hierunter stark zu leiden. Das tatsächliche Nachfrageverhalten auf den nachmittagsmärkten, z.B. in Habenhausen, Steintor, etc. gilt als „nicht durchgehend überzeugend“, was vielleicht auch durch die Größe dieser Märkte bedingt wird.

Eine weitere Konkurrenz zu den Wochenmärkten sind die häufig günstigeren Angebote in den stationären Geschäften. Diesem Preiskampf, besonders denjenigen der Discounter, können die Marktleute, die an wenige Großmarktangebote gebunden sind, nicht standhalten. Märkte müssen heute vor allem durch ein besonderes regionales und Bio-Sortiment überzeugen, zudem sind die Bedienung und die generelle Kundennähe relevant. In verschiedenen anderen Städten wurden Wochenmärkte zu Feierabendmärkten umgestaltet, um das Einkaufen vor allem den Berufstätigen zu ermöglichen, die den Einkauf dadurch als Erlebnis und Treffpunkt betrachten können.

Die Wünsche an einen Wochenmarkt haben sich deutlich verändert, doch konnten bislang noch keine adäquaten Maßnahmen ergriffen werden, um den steten Umsatzrückgang aufzuhalten.

Wir fragen den Senat:

1. Wie bewertet der Senat den Stellenwert und die Zukunft der Wochenmärkte im Land Bremen für die VerbraucherInnen und die regionale Daseinsvorsorge, als auch als Begegnungs- und Kommunikationsstätten für die jeweiligen Stadtteile?

2. Wie haben sich die Umsätze auf den Wochenmärkten in Bremen und Bremerhaven in den vergangenen 5 Jahren entwickelt?

3. Wie viele Jahresverträge für Standgebühren auf den Wochenmärkten im Land Bremen gibt es und wie groß ist deren Anteil an den Ständen auf den Wochenmärkten?

4. Wie viele unvermietete Standplätze gibt es durchschnittlich auf den Wochenmärkten in Bremen und Bremerhaven?

5. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um freie Marktplätze neu zu vermieten und wieso sind Fördermaßnahmen wie z.B. Standgeldnachlässe, Bonuszahlungen bei Vollauslastung des gemieteten Platzes oder investive Unterstützung zumindest zu Beginn der Vermietung nicht möglich?

6. Welche Werbemaßnahmen werden ergriffen, um Wochenmärkte bekannt(er) zu machen und ist eine Kooperation für solche Aufgaben z.B. mit der Wirtschaftsförderung denkbar?

7. Welche Kontrollen zum Warenangebot (Herkunft, Beschaffenheit, Aus- bzw. Kennzeichnung) und Hygiene finden auf den Wochenmärkten statt und könnten diese durch die Großmarkt GmbH regelmäßig veranlasst bzw. angemahnt werden, um den Schutz der VerbraucherInnen vor z.B. Fehlinformationen was die Regionalität der Produkte angeht zu schützen?

8. Wie gut sind die verschiedenen Wochenmärkte in die regionalen Stadtteilstrukturen eingebunden, so dass z.B. dem Bedürfnis nach kurzen Wegen für die VerbraucherInnen entsprochen werden kann und sind diese barrierefrei zugänglich?

9. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, die jeweiligen Wochenmärkte noch stärker in die vorhandenen Stadtteilstrukturen sowie die regionalen Einzelhandelsstrukturen bzw. Werbegemeinschaften einzubinden?

10. Für welche Märkte wurde ein Marktsprecher benannt und wie groß ist das Engagement der Marktleute insgesamt in den Berufsverbänden?

11. Ist auch in Bremen die Einrichtung eines erweiterten Beirats – analog zu dem Beirat in Bremerhaven – geplant und wenn nein, warum nicht? Welche Entscheidungsmöglichkeiten hat der Beirat in Bremerhaven und wie oft tagt der Beirat in der Regel?

12. Wie findet heute die Kommunikation zwischen Großmarkt GmbH und Marktanbietern statt und könnte hier ein Beirat eine Mittlerrolle übernehmen?

13. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Marktleute besser einzubinden und neue Kooperationen, z.B. auch mit regionalen Erzeugern und Erzeugergemeinschaften auch aus dem Umland zu schaffen?

14. Wenn Wochenmärkte Probleme bekommen, sucht die Großmarkt GmbH auch das Gespräch mit dem jeweiligen Ortsbeirat?

15. Werden neue Marktkonzepte mit neuen Angeboten auch im Gastronomiebereich geprüft, wenn ja, für welche Märkte und mit welchen Ergebnissen?

16. Prüft der Senat die Einführung von Spezialmärkten, z.B. für Schuhe und Textilien, um den klassischen Grünmarkt als Wochenmarkt zu erhalten und um dem eigentlichen Warenangebot gerecht zu werden?

17. Bietet eine Kooperation mit der Gastronomie bzw. dem DEHOGA und eine damit verbundene Ausweitung des Angebots eine Perspektive für die Wochenmärkte, um die Zahl der BesucherInnen zu erhöhen und die durchschnittliche Verweildauer auch über die Vormittagsstunden hinaus oder samstags zu erhöhen?

18. Welche Gründe können gegen erweiterte Öffnungszeiten auf bestimmten Märkten oder an bestimmten Tagen sprechen und könnte hier eine Ausdehnung des Marktangebots neue Perspektiven eröffnen?

19. Welche Unterstützungsmaßnahmen, welche Marketingmaßnahmen plant der Senat respektive die Großmarkt GmbH, um einem langsamen Absterben von Wochenmärkten entgegen zu wirken?

20. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um das Angebot auf den Nachmittagsmärkten auszuweiten, um mehr Kundschaft anzulocken?

21. Prüft der Senat bzw. die Großmarkt GmbH die Einrichtung von Feierabendmärkten, z.B. in stark belebten Stadtteilen wie dem Viertel, der Neustadt oder Findorff, und wenn Nein, warum nicht?

22. Welche Ergebnisse bietet der Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen und sieht der Senat Positivbeispiele in anderen Städten, an denen sich Bremen und Bremerhaven orientierten könnten?

23. Welche Bedeutung hat das Lebensmittelangebot über das Internet (Zustellung von Lebensmitteln in einem kurzen Zeitraum)?
Dieter Reinken, Helmut Weigelt, Andreas Kottisch, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD

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