Kleine Anfrage Land: Werden auf Bremer Friedhöfen Grabsteine aus ausbeuterischer Kinderarbeit aufgestellt?


Kleine Anfrage der Fraktion der SPD

In Indien arbeiten nach Zahlen der UNO etwa 100.000 Kinder in Ziegeleien und Steinbrüchen – unter anderem stellen die Kinder dort Grabsteine aus Naturstein her, die dann in Deutschland preisgünstig verkauft und weiter bearbeitet werden. Nach Schätzung des Naturwerksteinverbandes in Würzburg kommen bis zu 50 Prozent der Grabsteine auf heimischen Friedhöfen aus Indien, andere Experten sprechen sogar von 80 Prozent.
Einige Kommunen (z. B. in Baden-Württemberg und Bayern) haben die Verwendung solcher Grabsteine per Friedhofssatzung inzwischen verboten.
Die Lebenserwartung dieser indischen Kinder liegt nach Angaben des Vereins Xertifix Sozialprojekte (eine Organisation, die sich gegen ausbeuterische Kinder- und Sklavenarbeit in der Natursteinbranche engagiert). nur bei 30 bis 40 Jahren. Vor allem der allgegenwärtige Steinstaub läßt sie vorzeitig altern. Von Arbeitsschutzmitteln wie Schutzbrillen, Atem- oder Gehörschutz wird nur selten Gebrauch gemacht. Den Kindern, die unter diesen Bedingungen bei teils über 40 Grad Celsius arbeiten müssen, drohen schwerste Gesundheitsschäden (z.B. Taubheit), Verstümmelungen der Gliedmaßen durch Unfälle sowie später die Erkrankung an der tödlichen Staublunge (Silikosis).

Wir fragen den Senat:

1. Sind dem Senat Fälle bekannt, in denen Grabmale oder Grabeinfassungen auf Friedhöfen im Land Bremen aufgestellt wurden, die nachweislich durch Kinderabeit in Indien oder anderen asiatischen Ländern hergestellt wurden?
2. Wie stellt der Senat sicher, dass auf Friedhöfen in Bremen und Bremerhaven nur Grabsteine mit entsprechenden Nachweisen, die Produkte aus Kinderarbeit ausschließen, aufgestellt werden?
3. Hält der Senat es für notwendig, eine Rechtsgrundlage auf Landesebene zu schaffen, um das Aufstellen von Grabsteinen aus Kinderarbeit zu unterbinden?
4. Hält der Senat die Einführung einer Nachweispflicht (Einführung einer Zertifizierung oder eines Gütesiegels) zur Herkunft der aufgestellten Grabsteine für sinnvoll?
Jens Crueger, Björn Tschöpe und Fraktion der SPD

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