Arbeit & Bildung

 

Klimaschutzrelevantes Handwerk durch Qualifizierung stärken


Die Arbeitswelt verändert sich, getrieben durch Digitalisierung und Globalisierung aber vor allem durch die ökologische Transformation. Arbeitsplätze fallen weg, andere verändern sich, wieder andere entstehen komplett neu. Über eine qualifizierte Ausbildung hinaus sind in vielen Branchen heute oft (zusätzliche) grüne Kompetenzen gefordert – wie zum Naturschutz, zu umweltfreundlichen Baumaterialien, zum energie- und ressourcenschonenden Umgang am Arbeitsplatz, zur Kreislaufwirtschaft, Energiespartechnik oder zu behördlichen Umweltauflagen. Einen der stärksten Zuwächse bei den erforderlichen grünen Kompetenzen gab es im Bereich Gebäude und Bau, z.B. mit Blick auf Heiz- und Klimatechnik, Altbausanierung, Wasser- und Stromversorgung, Beleuchtungstechnik etc. Gerade im Bereich der energetischen Sanierung wächst die Anforderung an das Handwerk nach anspruchsvollen Beratungsleistungen bis hin zu möglichst integrierten, aufeinander abgestimmten Komplettlösungen.

Zusätzlich verschiebt sich der Fachkräftebedarf: Während in Industrien, die traditionell stark von fossilen Energieträgern geprägt sind, weniger Arbeitskräfte benötigt werden, steigt der Bedarf an Fachkräften in den Bereichen der Produktion und der Entwicklung erneuerbarer Technologien und vor allem im Bau- und Ausbauhandwerk, Rohrleistungs- und Tiefbau. Die Klimaschutzstrategie der Enquete-Kommission erachtet eine Verdopplung bzw. Verdreifachung der Sanierungsrate im Vergleich zu heute und eine Verdopplung des Fernwärmenetzes für notwendig, um die Klimaziele einzuhalten. Daran ist leicht zu erkennen, dass nicht nur neue Kompetenzen gefragt sind, sondern auch ein erheblich größerer Bedarf an Handwerksfachkräften generell besteht. Die Prognos-Studie im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen „Ökologische Transformation und duale Ausbildung in Bremen“ stellt fest, dass in allen untersuchten Bau- und Ausbauhandwerksberufen ebenso wie im Bereich des nachhaltigen Verarbeitenden Gewerbes und der Energiewirtschaft der Bedarf an Fachkräften mit den aktuellen Ausbildungsquoten nicht gedeckt werden kann.

Der Blick auf bereits existierende Folgen des Klimawandels und die erforderlichen Schritte zur Erreichung der Klimaneutralität des Landes Bremen macht klar, dass das Handwerk unverzichtbarer Partner bei Klimaschutz und Energiewende ist. Denn die notwendigen Veränderungen müssen in der Realität praktisch umgesetzt werden. Erneuerbarer Strom durch Photovoltaik, Energieeffizienz durch energetische Sanierungen und erneuerbare Wärme durch Wärmepumpen, Solarthermie und Fernwärmeleitungen sind entscheidende Säulen des Klimaschutzes und verdienen deshalb besondere Priorität bei der Fachkräftegewinnung. Sie schaffen zukunftsfeste und gut bezahlte Arbeitsplätze in Klimaschutzberufen. Das Land Bremen will diese wirtschaftlichen Chancen nutzen und sieht die Notwendigkeit, genügend Arbeitskräfte zur Deckung des Bedarfes auszubilden. Ein wesentlicher Beitrag dazu ist die gezielte Weiterbildung von Fachkräften.

Elektrische Wärmepumpen, die mit Solar- und Windstrom betrieben werden, sind klimafreundlich und kostengünstig. Mittlerweile stellen Wärmepumpen zudem auch in Bestandsgebäuden eine gute Alternative zu fossilen Erdgaskesseln dar. Daher wächst der Markt beständig. Allein im letzten Jahr ist der Absatz von Wärmepumpen bundesweit um 40 Prozent gestiegen. Mit steigendem CO2-Preis in den kommenden Jahren und gegebenenfalls wegfallenden Stromkostenbestandteilen für Wärmepumpen wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Ein Ausbau des Know-hows zur Integration von Wärmepumpen im Neubau und Gebäudebestand bietet hervorragende Zukunftsaussichten für Handwerksunternehmen. Für Meister*innen und Gesell*innen, die bislang überwiegend fossile Gas- und Ölheizungssysteme installiert haben, ergibt sich somit teilweise ein Nachschulungsbedarf. Ein vergleichbares Arbeitsplatzpotenzial entsteht bei der Erzeugung von erneuerbarem Strom und Wärme. Solaranlagen produzieren auf Dächern seit Langem profitabel Energie und sind für viele Gebäude mit geeigneten Dächern hochattraktiv. Die beschlossene Solarpflicht soll dafür sorgen, dass die dezentrale Nutzung von Solarenergie zur breit genutzten Technik wird. Die daraus entstehende zusätzliche Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften für Solartechnik zu decken, ist eine wichtige Aufgabe.

Entscheidend für die gut funktionierende Gebäudetechnik und damit die Zufriedenheit der Bewohner*innen mit der Energiewende ist, dass Wärmepumpe, energetische Sanierung und Solaranlage gut konfiguriert und aufeinander abgestimmt sind. Die Herausforderung besteht dabei mehr denn je darin, unterschiedliche Teilsysteme zu integrieren. Vor dem Hintergrund liegt es daher nahe, die Zusammenarbeit des Dachdeckerhandwerks mit dem Elektrohandwerk zu stärken und darüber hinaus das Kälte-/Klima-Handwerk mit dem Sanitär- Heizung-Klima-Handwerk und dem Malerhandwerk bei der Wärmedämmung künftig enger zu verzahnen. Denn eine abgestimmte Planung und Installation der Dach- und Anlagentechnik kann den Know-how-Transfer vereinfachen sowie dazu beitragen, mehr Anlagen in Betrieb zu nehmen und diese kostengünstig und energieeffizient zu betreiben, da Leerlaufzeiten auf Baustellen und Fehler in der Anlagenkonfiguration vermieden werden.

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