Sport

 

Jetzt die Konsequenzen aus dem McLaren-Report ziehen


Sport hat große gesellschaftspolitische Bedeutung: Im Sport werden Werte wie Toleranz und Fairness vermittelt, er führt Menschen unterschiedlicher Kulturen und sozialer
Hintergründe zusammen. Sport ist Teil eines gesunden Lebensstils und unterstützt Integration und Bildung. Deutschlandweit wird Sport in über 91.000 Sportvereinen mit rund 28 Millionen Mitgliedschaften ausgeübt. Durch den ehrenamtlichen Einsatz von vielen Millionen Menschen als Übungsleiterinnen und –leiter sowie als Vorstände, aber auch als Helferinnen und Helfer bei Sportfesten, Turnieren und im ganz normalen Ligabetrieb machen sich diese verdient um unsere Gesellschaft.

Gleichzeitig wird Sport aber auch auf vielfältige Weise zur politischen Profilierung missbraucht. Gegenwärtig wird in Sportverbänden und im politischen Raum über eine Reform der öffentlichen Finanzierung der Spitzensportförderung diskutiert. Hierbei wird eine Ausrichtung der Sportförderung am messbaren Erfolg in Form von errungenen Medaillen erwogen.

Diese Diskussion fällt in eine Zeit in der der McLaren-Report das systematische Staatsdoping russischer Sportlerinnen und Sportler sowie erhebliche Manipulationen bei den letzten olympischen Winterspielen in Sotschi belegt. Der Anti-Doping-Kampf muss ein Schwerpunkt der Sportpolitik in Deutschland sein. Doping ist  Betrug, zerstört die Werte des Sports und birgt größte Gefahren für die Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern.

Anders als das Paralympische Komitee hat das IOC bisher keine deutlichen Konsequenzen aus diesen belegten kriminellen und wettbewerbsverzerrenden Machenschaften gezogen. Das Vertrauen in internationale Sportverbände ist nach zahlreichen Inhaftierungen von Sportfunktionären, nach behaupteten, aber auch gerichtlich festgestellten Korruptionsvorwürfen, nach Steuerhinterziehungen und Geldwäsche auf einem historischen Tiefstand. Bei den Referenden in München und Hamburg haben sich die Bürgerinnen und Bürger gegen Olympiabewerbungen ihrer Städte ausgesprochen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland nimmt von einer zukünftigen Übertragung der olympischen Spiele Abstand.

Vor diesem Hintergrund bedarf die zukünftige Spitzensportförderung einer Einbettung und Flankierung in eine Diskussion, wie bei internationalen Sportwettkämpfen faire und regelkonforme Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden können. Ohne solche wird die gesellschaftliche Akzeptanz für die Wahrnehmung dieser öffentlichen Aufgabe sinken. Eine Reform der Spitzensportförderung ohne entsprechende gesellschaftliche Akzeptanz ist allerdings kaum vermittelbar.

Teilen via:
FacebookTwitter