Soziales

 

Sexueller Missbrauch: Die Kirche nicht allein lassen


Es sei sehr zu begrüßen, dass sich die katholische Kirche, dem Thema stellt und im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz eine Studie eine Studie zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche erstellt wurde, betont der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Klaus Möhle und ergänzt: „Die Ergebnisse dieser Studie machen sprachlos und sind – so räumt die katholische Kirche selbst ein – wohl nur die Sputze des Eisbergs: Zwischen 1946 und 2014 sollen insgesamt 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben. Demnach war der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Kirche in der Vergangenheit weit verbreitet – und ist auch heute keinesfalls überwunden.

Es bestehe Grund zu der Annahme, dass der Missbrauch weiter andauere, heißt es in der aktuellen Untersuchung. Für den sozialpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Klaus Möhle, steht fest: „Es ist gut, dass die katholische Kirche sich dieses Themas angenommen hat – aber wir dürfen sie nun nicht mit den Ergebnissen allein lassen“.

Seine Forderung ist dabei klar: „Zum einen habe ich die klare Erwartung, dass die Beschuldigten einem Ermittlungsverfahren zugeführt werden, und zweitens muss die katholische Kirche selbst noch einen Schritt weiter gehen und auch gegen diejenigen vorgehen, die teilweise jahrelang entsprechende Hinweise schlicht ignoriert haben oder nicht wahrhaben wollten. Auch dass es in mindestens zwei Bistümern offenbar zur systematischen Vernichtung und Manipulation von Personalakten kam, um Beschuldigte oder ihre Vorgesetzen zu schützen, muss aufgeklärt werden. Wer Täter deckt, stellt sich hinter sie. Da geht es auch um die persönliche Verantwortung Einzelner. Ich finde gut, dass die katholische Kirche mit der Studie einen ersten, wichtigen Schritt gegangen ist. Aber es darf im Bereich des sexuellen Missbrauchs kein Vertuschen mehr geben. Das ist die katholische Kirche ihrem eigenen moralischen Anspruch schuldig.“

In erster Linie steht für Möhle allerdings etwas anderes im Fokus: „Die Opfer sind und bleiben auch nach der Studie nur eine Zahl – hinter der allerdings echte Menschen und Schicksale stehen. Diese Menschen müssen endlich in den Mittelpunkt gerückt werden. Wir müssen uns schlicht die Frage stellen: Was tun wir eigentliche für die Opfer? “

Konkret heißt das für den Sozialdemokraten: „Für die betroffenen Menschen, die oft ein Leben lang unter ihren Missbrauchserfahrungen leiden, muss auch der Staat Verantwortung übernehmen. Wir können und dürfen die Kirche damit nicht allein lassen. Dazu gehört für mich, dass wir auch staatlicherseits mit Hilfsangeboten reagieren – angefangen bei entsprechenden Unterstützungs- und Beratungsangeboten bis hin zu Therapiemöglichkeiten für die Betroffenen. In Bremen sind wir in diesem Bereich fachlich gut aufgestellt, unter anderem durch Angebote wie Schattenriss, das Jungenbüro oder den Kinderschutzbund. Ich fände es mehr als richtig, wenn sich die Kirche auch finanziell an derartigen Einrichtungen beteiligt.“ Engagement erwartet Möhle auch in anderer Hinsicht: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die katholische Kirche einen Fonds für die Opfer auflegen sollte. Mir ist klar, dass Geld allein das Geschehene nicht wieder gut machen kann. Aber sexueller Missbrauch geht weit über die eigentliche Tat hinaus. Viele der jungen Opfer wurden dadurch ihrer Lebens- und Erwerbschancen beraubt. Ein Fonds kann zumindest die Lebenssituation der Opfer verbessern.“

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