Nachruf

 

Trauer um Christian Weber


Björn Tschöpe, Vorsitzender der SPD-Fraktion Bremen, zum Tode von Christian Weber:

Die Nachricht, dass Christian Weber heute verstorben ist, hat mich und die übrigen Mitglieder der SPD-Fraktion sehr betroffen gemacht. Wir verlieren mit ihm nicht nur unseren Bürgerschaftspräsidenten und ein von allen geschätztes Mitglied der SPD-Fraktion. Unser Bundesland verliert mit ihm einen großen Demokraten, einen glühenden Verfechter des Parlamentarismus und jemanden, der sich in seinem politischen Leben immer dafür eingesetzt hat, die Interessen der Menschen, die für ihn Mittelpunkt aller Politik waren, im Auge zu behalten. Dass wir künftig auf seinen Rat, seine Anregungen und seine Kritik verzichten müssen, macht mich und die übrigen Abgeordneten der SPD-Fraktion sehr traurig.

Es war Gustav Heinemann, der Christian zur aktiven Politik gebracht hat. So hat er es berichtet. „Politik muss jedermanns Sache werden. Man darf sie nicht den Fachleuten überlassen“. Getreu diesem Satz hat Christian Weber gestritten – für Beteiligung, für Zivilcourage, für Mitbestimmung  und vor allem für das Mittun derjenigen, die von den jeweiligen Entscheidungen betroffen sind. Und er hat dies leidenschaftlich getan: Zunächst als SPD-Beiratspolitiker, dann als Bürgerschaftsabgeordneter und Vorsitzender der SPD-Fraktion und schließlich seit 1999 als Präsident der Bremischen Bürgerschaft. 20 Jahre hatte Christian Weber dieses Amt inne – er war damit der am längsten amtierende Präsident aller 16 Landtagsparlamente und das nicht ohne Grund: Christian war das Amt – und das Amt war Christian. Er hat für dieses Amt gelebt – und er hat für die Demokratie gelebt.

Dass das Parlament heute ein offener Ort ist, der nicht nur zu den Plenarsitzungen, sondern zu zahlreichen Veranstaltungen seine Türen für alle Menschen in Bremen und Bremerhaven öffnet, ist nur eines seiner Verdienste um die Bremische Bürgerschaft.

Christian Weber hat zudem immer wieder Diskussionen angestoßen, Debatten um den Zustand und die Zukunft der Demokratie und des Parlaments ausgelöst. Und er war dabei keinesfalls „glatt“, wie es manchen Politikern vorgeworfen wird. Im Gegenteil: Christian Weber hat gestritten – für Bremen, für seine Ideen und seine Thesen. Und er hat sich von Widerständen nicht abschrecken lassen. „Manchmal muss die Kuh auch quer im Stall stehen“, hat er einmal gesagt. Es ist gerade diese Geradlinigkeit, die Christian ausgemacht hat, die uns in der Fraktion und im Parlament fehlen wird. Mit dieser Geradlinigkeit, seiner Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit hat er nicht nur die Menschen in Bremen überzeugt, sondern auch uns, seine Abgeordneten-Kollegen in der SPD-Fraktion – und das sowohl als Mensch als auch als Politiker.

Christian wird uns als Mahner, Ratgeber, Kollege und Weggefährte unvergessen bleiben – die Abgeordneten der SPD-Fraktion und ich persönlich sind von seinem Tod tief erschüttert und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Wir sind in Gedanken bei seiner Ehefrau und seiner Familie.

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