Wirtschaft & Stadtentwicklung

 

Zwischennutzungen verlässlich gestalten


Zwischennutzungen sichern die zeitlich befristete Gestaltung und Nutzung von Gebäuden oder ganzen Flächen und verhindern so Leerstände, beleben Quartiere, fördern Gründungen und schaffen neue Potentiale für Bremen und Bremerhaven.

Die Bedeutung erfolgreicher Zwischennutzungen wird durch die Folgen der Corona-Krise weiter steigen. Vor dem Hintergrund der wirtschaftsstrukturellen Entwicklungen wird erwartet, dass die Leerstands-Problematik und damit die Bedeutung von Zwischennutzungen vor allem in zentralen Bereichen der Stadt Bremen zunehmen wird. Da die Kultur- und Kreativwirtschaft, die vielfach auf und mit Zwischennutzungen agiert, besonders von der Pandemie betroffen ist, wird sich die Nachfrage nach Hilfen bei der Durchführung von Kulturprojekten und niedrigschwelligen Existenzgründungen weiter erhöhen.

Die Bandbreite der Zwischennutzungen reicht im Land Bremen von der kleinteiligen Ansiedlung von Start-ups der Kultur- und Kreativwirtschaft über die Nutzung von größeren Gewerbeflächen für Umwelt- oder Energieprojekte.

Beispielhaft hat sich die Bremer Zwischennutzungsagentur „ZwischenZeitZentrale“ zum Ziel gesetzt, temporär freie Räume in der Stadt Bremen aufzuspüren, Nutzungsideen zu entwickeln und entsprechende Interessent*innen zu akquirieren, um die Zwischennutzung gemeinsam mit städtischen und politischen Akteur*innen als ein Instrument der modernen Stadtentwicklung zu etablieren. Erfolgreich hat die Agentur bereits eine Vielzahl an Projekten begleitet.

Die Zwischennutzung sollte dabei so gestaltet sein, dass sie allen Akteur*innen, also sowohl Zwischennutzer*innen als auch Eigentümer*innen, einen verlässlichen Rahmen bietet. Nutzungskonzepte müssen hierbei hinsichtlich der Nutzungsdauer in Verträgen rechtlich verbindlich definiert sein. Nur so kann einerseits langfristig geplant werden und andererseits die Attraktivität und notwendige Akzeptanz des Instruments der Zwischennutzung für Eigentümer*innen erhalten werden, denn diese benötigen die Sicherheit, dass die Flächen verlässlich nach dem Ende der vereinbarten Zwischennutzung für den eigentlichen Nutzungszweck zur Verfügung stehen.

Zu unterscheiden ist das Instrument der Zwischennutzung von der temporären Zurverfügungstellung von Flächen für naturschutzfachliche Aktivitäten. „Natur auf Zeit“ basiert auf der Möglichkeit, Natur auf Gewerbe- und Industrieflächen sowie auf sonstigen Bauflächen als Zwischennutzung entstehen zu lassen, ohne wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten dauerhaft zu beschneiden. Die Flächen können, so lange sie nicht für den eigentlichen Nutzungszweck genutzt werden, im Siedlungsbereich als Trittsteinbiotope zur Vernetzung von Lebensräumen dienen und die biologische Vielfalt fördern.

Bislang findet dieses Konzept praktisch kaum Anwendung, da Unternehmen oder Flächeneigentümer*innen überwiegend „Vermeidungspflege“ durchführen. Die Befürchtung einer erschwerten (Wieder-)Aufnahme der Nutzung aufgrund von entstandenen gesetzlich geschützten Biotopen, von Wald oder eingewanderten streng geschützten Arten ist groß.

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