Umwelt

 

Verstreuen der Asche: Wünsche der Verstorbenen umsetzen


Die am 1. Januar 2015 in Kraft getretene Regelung des § 4 Absatz 1a des Gesetzes über das Friedhofs- und Bestattungswesen in der Freien Hansestadt Bremen ermöglicht es einer verstorbenen Person darüber zu verfügen, wo ihre Asche verstreut oder ausgebracht wird, z. B. um ihrer ganz besondere persönlichen Verbundenheit zu einem bestimmten Ort außerhalb eines Friedhofs Ausdruck zu verleihen. Unabdingbar hierfür ist nach der geltenden Regelung eine schriftliche Verfügung der verstorbenen Person zu Lebzeiten, aus der nicht nur hervorgeht, an welchem Ort das Ausstreuen bzw. das Ausbringen der Asche gewünscht wird, sondern es ist auch zwingend eine Person zur Totensorge zu benennen, die für eine wunschgemäße Bestattung Sorge trägt.

In der praktischen Anwendung hat sich ergeben, dass viele Verstorbene, die von dieser Regelung Gebrauch machen wollen, zwar einen Verstreuungsort verfügt haben, dabei aber keine Person ausdrücklich mit der Totenfürsorge für diese Beisetzungsform beauftragt haben, weil sie offensichtlich davon ausgegangen sind, dass diese Aufgabe automatisch ihren Angehörigen zufällt, die auch sonst für die Bestattung zu sorgen haben. Dies sind nach § 16 Absatz 2 Satz 1 in Verbindung mit § 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 des Gesetzes über das Leichenwesen der Reihenfolge nach der Ehegatte oder die Ehegattin, die eingetragene Lebenspartnerin oder der eingetragene Lebenspartner, die Person, die mit der verstorbenen Person in eheähnlicher Gemeinschaft gelebt hat, die volljährigen Kinder, die Eltern oder die volljährigen Geschwister.

Fehlt in der schriftlichen Verfügung eine ausdrückliche Bestimmung der für die Verstreuung verantwortlichen Person, so gilt die schriftliche Verfügung bei strenger Auslegung der geltenden Regelung als unwirksam. Dies hat zur Folge, dass die Asche der verstorbenen Person – entgegen ihres erklärten Willens – gemäß § 4 Absatz 1 nur auf einem Friedhof oder auf See bestattet werden darf. Dies führt in der Gesetzesanwendung regelmäßig zu Konflikten zwischen dem Umweltbetrieb Bremen und Angehörigen, die die Asche wunschgemäß an dem von der verstorbenen Person bestimmten Ort verstreuen wollen.

Um dem eindeutigen Wunsch der verstorbenen Person Geltung zu verschaffen, die schriftlich verfügt hatte, dass ihre Asche an einem bestimmten Ort verstreut werden soll, wird den nach dem Gesetz über das Leichenwesen für die Bestattung verantwortlichen Angehörigen auch die Totenfürsorge für das Ausbringen der Asche übertragen, sofern die verstorbene Person in der schriftlichen Verfügung keine Person hierfür bestimmt hat. Da es unangemessen wäre, wenn eine Person gegen ihren Willen diese besondere Beisetzungsform durchzuführen hätte, bedarf dies ihrer ausdrücklichen Zustimmung.

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