Kita-Plätze schaffen wo es am nötigsten ist

Ein Schwerpunkt der sozialdemokratischen Politik ist die Betreuung und Förderung von Kindern. Die SPD-Fraktion hat deshalb bereits 2012 eine klare Forderung aufgestellt: 1000 zusätzliche Betreuungsplätze sofort – 2000 weitere mittelfristig! Die Planungen des Sozialressorts sahen damals zunächst eine weitaus geringere Zahl vor. „Wir konnten das Ressort überzeugen und so in den vergangenen Jahren rund 1000 neue Plätze schaffen. Aber heute wissen alle: Es besteht auch in Zukunft weiterer Bedarf an zusätzlichen Plätzen.“ Genau deshalb hat sich die SPD-Fraktion jetzt in einem Beschluss für die Schaffung von 1200 weiteren Kita-Plätzen in der U3-Betreuung ausgesprochen. „Zudem müssen wir speziell in sozial benachteiligten Stadtteilen der sozialen Spaltung entgegenwirken und auch dort weitere Plätze schaffen“, erklärt der sozialpolitische Sprecher der Fraktion, Klaus Möhle, dazu.

 

Bremen muss das Betreuungsangebot weiter gezielt ausbauen, die Finanzierung sicherstellen und darf die Qualität dabei nicht aus dem Auge verlieren. Genau das war die Zielsetzung des 2012 von der SPD-Fraktion erarbeiteten Grundsatzpapiers – dessen Forderungen für den ersten Schritt nun erreicht sind. Jetzt allerdings müsse die nächste Etappe in Angriff genommen werden: Die SPD-Fraktion habe schon damals deutlich gemacht, dass das Sofortprogramm für 1000 neue Plätze, nur ein erster Schritt sein könne. „Uns ging und geht es um mehr: Schon 2012 haben wir betont, dass mittelfristig ein Aktionsprogramm nötig ist, um mindestens 2000 weitere Plätze zu schaffen. Damals haben Kritiker angesichts dieser von uns in die Diskussion geworfenen Größenordnung von einer ‚Mondzahl‘ gesprochen – heute ist klar: Die aktuellen Entwicklungen geben uns recht – der Ausbau muss fortgesetzt werden!“, erklärt Möhle.

Denn tatsächlich ist auch der ursprünglich ermittelte Bedarf, demzufolge ‚nur‘ 35 Prozent der Bremer Kinder einen Betreuungsplatz benötigen, längst Geschichte: Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) geht mittlerweile von knapp 50 Prozent aus. Und letztlich gehe es eben nicht nur darum, den Rechtsanspruch, den Eltern auf die Betreuung ihrer Kinder haben, zu erfüllen, sagt Möhle: „Wir müssen auch sicherstellen, dass dort neue Plätze entstehen, wo der soziale Bedarf am größten ist und wo die Kita oftmals die einzige Anlaufstelle für problembelastete Eltern darstellt, die staatlichen Einrichtungen sonst nicht vertrauen. Es reicht nicht aus, neue Plätze nur zu schaffen, um angestrebte Kontingente zu erfüllen. Entscheidend sind auch die Fragen nach dem ‚Wo‘ und dem ‚Wie‘.“

Bislang zeigt sich bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Betreuung im U3-Bereich in Bremen ein spürbares Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Quartieren. Konkret: Die Ausbauquote und das Platzangebot in den privilegierteren Bereichen der Stadt liegen deutlich über dem Angebot in den sozial benachteiligten Wohnquartieren. Der weitere Ausbau der U3-Versorgung darf aber unter keinen Umständen zu einer weiteren sozialen Spaltung der Stadtteile und Wohnquartiere führen. „Im Gegenteil: Er sollte einen Beitrag dazu leisten, die soziale Spaltung zu überwinden. Das ist jedenfalls erklärtes Ziel der SPD“, so Möhle

Betreuungsangebote bieten immer auch Entwicklungschancen für die Kinder. „Deshalb ist es wichtig, das Kitabetreuungsangebot besonders in jenen Stadtteilen zu fördern, die als sozial benachteiligt gelten“, so Möhle weiter. „Häufig nehmen gerade Elternhäuser, die mit finanziellen oder anderen Problemen zu kämpfen haben oder auch Migranten, denen die Regelungen nicht klar sind, ihr Recht auf eine Betreuung gar nicht erst in Anspruch“, sagt Möhle. Dabei könnten insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Milieus von einer guten und verlässlichen Betreuung profitieren. „So wird ihnen ermöglicht, Erfahrungen auch außerhalb der Familie zu sammeln und Bildungsanregungen zu bekommen.“ Zusammen mit dem weiteren Ausbau, kommt der zugehörigen Informationspolitik eine wichtige Rolle zu: „Wir müssen gerade in sozial benachteiligten Quartieren gezielt für die Betreuungsangebote werben, die Bremen bietet. Eltern müssen dringend darüber aufgeklärt werden, wie wichtig eine frühkindliche Betreuung und Bildung für die Entwicklung ihrer Kinder ist, welche Chancen ihnen die Angebote in ihren Stadtteilen bieten und wieso sie diese Angebote nutzen sollten.“ Die Bürgerschaftsfraktion der SPD setzt sich deshalb für die Schaffung neuer Betreuungsplätze ein und fordert einen qualitäts- und sozialraumorientierten Ausbau des Angebots. „Wir müssen dort, wo der Bedarf am größten ist, entsprechend reagieren – auch mit zusätzlichen Fach- und Betreuungskräften, um etwa Defizite beim Spracherwerb von Kindern mit Migrationshintergrund ausgleichen zu können.“